Agra

Agra wurde im 20. Jahrhundert hauptsächlich seines Lungensanatoriums wegen bekannt - und berüchtigt. Die Klinik wurde 1914 als Zweigstelle der „Deutschen Heilstätte Davos“ eröffnet und erlangte rasch einen hervorragenden Ruf. Berüchtigt wurde das „Deutsche Haus“, weil dessen ehemaliger Chefarzt, Professor Hanns Alexander (1881-1995, sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Agra), dort im Jahr 1935 eine Ortsgruppe der NSDAP gründete, beim Sanatorium Hakenkreuzfahnen hissen und Portraits von Adolf Hitler aufhängen liess. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der gute Ruf des Sanatoriums stark geschädigt, der Niedergang begann. Dieser wurde durch das Aufkommen von Antibiotika zur Behandlung von Lungenkrankheiten beschleunigt. 1969 wurde das Sanatorium geschlossen. Seither zerfällt das Sanatorium als Ruine an schönster Lage. Bekannte Kurgäste waren Sven Stolpe, er schrieb nach seinem Aufenthalt „Im Wartezimmer des Todes“, Margarete Steffin, Geliebte und Mitarbeiterin von Bertolt Brecht, schrieb in Agra gleich mehrere Bücher, Erich Kästner schrieb dort „Der kleine Mann“ und seine „Tessiner Briefe“ erzählen von seinem Kurleben. Luiselotte Enderle schrieb in ihrem Buch „Erich Kästner“ über den Untergang des Sanatoriums: „Diesmal dauerte Kästners Aufenthalt nur sieben Monate. Im August wurden die Koffer gepackt. Dabei half wieder Willi Burt, der heisere Tapezierer und Postbote des Hauses, der seit einiger Zeit ein Stimmband aus Nylon besass. Den Maler und Faustkenner Burkhard hatte man auf dem Dorfkirchfriedhof zu Grabe getragen. Und Toni hatte in Tesserete ein anderes Restaurant gepachtet. Denn das Sanatorium würde geschlossen werden. Die meisten Ärzte waren entlassen worden. Einige Stationen lagen bereits still. Alle Versuche der Stammpatienten, in Bern und Bonn auf die Erhaltung des Sanatoriums als idealer Lungenheilstätte hinzuwirken, waren gescheitert. So war Kästners Abschied von Agra ein Abschied für immer.“ Die letzten Gerüchte, wonach aus den Ruinen des ehemaligen Sanatoriums etwas Neues entstehen soll, kursierten im Juli 2008 in der Zeitung „La Regione“: Diesmal soll es ein Wellness-Resort werden ...