mulino
Heute sind im Gebiet von Arcegno vier Mühlen bekannt. Um die Jahrhundertwende herum sollen es noch mehr gewesen sein. Das Tessin früherer Zeiten war bekanntlich arm. Um die Versorgung mit Lebensmitteln auch in den kalten Monaten gewährleisten zu können, wurde ein grosser Teil der Ernten in die Mühlen gebracht: Weizen, Roggen, Mais, Kastanien und Nüsse. Aus dem Getreide, dem Mais und den Kastanien wurden Brotmehl und die Grundlagen für Polenta und Suppen gemahlen, aus den Nüssen wurde ein Öl gepresst. Die noch bestehenden Mühlen wurden zu Grotti oder zu Wohnhäusern umfunktioniert. Eine von ihnen, die „Mulino del Brumo“, verdient ihrer verschiedenen bekannten Bewohnern wegen spezielle Erwähnung. Sie liegt an der Kantonsstrasse zwischen Arcegno und Ronco s/Ascona auf Asconeser Gemeindegebiet.
Vom Bildnis des nackten Erich Mühsam (sitzend) und seiner Kumpane wird gesagt, es sei vor der „Mulino del Brumo“, „nach dem Bade im kalten Wasser“, wahrscheinlich 1904 oder 1905, aufgenommen worden.
Peter P. Riesterer erzählte in seinen „Streifzügen durch das Tessin“ von „russischen Agenten der Revolutionszeit“ die illegal in der Mühle gewohnt haben sollen.
Im Jahr 1915 verbrachte der Maler und Dichter Richard Seewald mit seiner Frau Uli einen längeren Aufenthalt im Tessin. Sie wohnten in der „Molino del Brumo“. Hier geht's zu einem "Reisebericht" von Seewald.
Friedrich Glauser bewohnte die Mühle 1919. Die Briefe an seine Zürcher Freundin Elisabeth von Ruckteschell, sie heiratete später Glausers Schriftstellerfreund Bruno Goetz, erzählen davon.
Ab 1925 wohnte Jakob Flach in der alten Mühle an der heute die Strasse von Arcegno nach Ronco vorbei führt, nicht weit von der "Mulino del Brumo" gelgen.
Dem Ausstellungsprospekt „Panta rhei, Manfred Henninger“ der „Museen der Stadt Kornwestheim“ ist über die Vita von Henninger zu entnehmen: „1937–1947 Schweizer Exil, lebt und arbeitet im „Molino di Brumo“ zwischen Arcegno und Ronco. Jahre der Ruhe und der Naturverbundenheit, gelebt in ungebrochener Schaffenskraft, wenn auch isoliert von der Schweizer Kunstszene. 1938 Teilnahme an der Ausstellung „Maler im Tessin“. 1946 Teilnahme an der Ausstellung „Kunst im Exil“ (Zürich, Basel, Genf).“
1977 kaufte Heiner Hesse die Mühle und lebte dort bis zu seinem Tod 2003.
Die „Mulino del Brumo“ befindet sich heute in Privatbesitz.
Ely Riva, ein Tessiner Autor und Fotograf, hat 1984 ein für Mühlenliebhaber spannendes Buch veröffentlicht: „Ticino sconosciuto, Vecchi Mulini del Ticino“. Es ist im Verlag „Giornale del Popolo“ erschienen.