Ascona

Aus dem alten Ascona von Karl Viktor von Bonstetten, "Briefe über die italienischen Ämter", 1795: "Von Locarno seeab liegt das grosse Dorf Ascona von 716 Seelen. Überall sind Spuren von altem Wohlstand. Prächtig ist die Aussicht vom alten Schloss und einer Kapelle, die auf der Höhe liegt. In Ascona ist ein Collegium, wo 70 Knaben, die nicht wissen, wie das Korn wächst, noch ob sich die Erde oder Sonne drehen, Grammatik, Rhetorik und Metaphisik lernen. Alle diese positive Unvernunft wird mit Sprachen übertüncht, um sie recht dreist zu machen. Auf diesem Boden verewigen sich alle Vorurtheile, aller Aberglauben, wie auch die Armuth des Landes. Das von Eis starrende Island wäre reicher als dieses paradiesische Land, wo zwei Menschen kaum einen Feigenbaum umfassen können, und wo drei Erndten reifen, wenn Island gute Erziehungsanstalten hätte. So viel wichtiger als die Gaben der Natur ist die Bildung, die sich der Mensch selbst giebt!"
Ascona gehört zusammen mit Brissago, Losone und Ronco s/Ascona zum Kreis "delle Isole", der wiederum Teil des Bezirks Locarno ist. Der Name Ascona soll sich aus dem keltischen asc-ona ableiten, was "grosse Viehweide" bedeutet; die deutsche Bezeichnung "Aschgunen" wird heute nicht mehr verwendet. Beim "Castello San Meterno" wurden in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Gräber gefunden, die in die Epoche zwischen Bronze- und Eisenzeit gehören. Auf dem Hügel von "San Michele" wurden Tonscherben und Pfeilspitzen aus der Jungsteinzeit (11'000-5'000 v. Chr.) gefunden. Aus dieser Zeit stammt auch die Siedlung Balladrüm auf dem Hügel zwischen Moscia und Arcegno. An verschiedenen Orten in Ascona wurden Spuren der Römer gefunden, was nahe legt, dass der heutige Ort bereits vor gut zweitausend Jahren besiedelt war. Im 13. Jahrhundert entstanden die Burgen entlang der Seepromenade, errichtet von Mailändern, die vor den kriegerischen Auseinandersetzungen um ihre Stadt flohen. Aus dieser Zeit stammt die Legende um die "Madonna della Fontana", wenig ausserhalb Asconas heutiger Gemeindegrenze. Im 15. Jahrhundert etablierte sich das Kleinbürgertum. Von 1513-1798 stand der Kanton Tessin unter eidgenössischer Herrschaft – es war die Zeit der Landvögte. Ascona erlebte als Teil der Helvetischen Republik die Napoleonischen Kriege und die Proklamation des Kantons Tessin im Jahr 1803. Der Bau der Gotthardeisenbahn im 19. Jahrhundert hörte in Locarno auf - Ascona konnte nicht von den Handelsvorteilen profitieren, behielt dafür eine Authentizität, die sich für die Entwicklung zum Künstler-,  Intellektuellen- und teuren Ferienort als sehr vorteilhaft erwiesen hat.
Die verschiedenen künstlerischen und intellektuellen Strömungen auf den Brissagoinseln und dem Monte Verità prägten die Entwicklung Asconas ab dem 20. Jahrhundert nachhaltig. 1904 sparte Erich Mühsam nicht mit Kritik an seinen Landsleuten: "Aber tagtäglich, wenn von Locarno hertrottend, eine Kompagnie übelster Reisephilister mit all ihrer Blödheit die herrlichen Gestade des Lago Maggiore entlanggafft, drängt sich ...". Vor und während des ersten Weltkriegs kamen die Künstler: Marianne Werefkin, Alexej von Jawlensky, die Dadaisten Hugo Ball, Hans Arp, Hans Richter. Ascona wurde zum Künstlerort. Während der beiden Weltkriege war das Dorf ein bevorzugter Emigrantenort. Ursula von Wiese, eines der "nackten Inselmädchen" beschrieb das Ascona von 1929 als ein Dorf ohne Pflaster, ohne grosse Hotels und ohne Bar. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Deutschland kamen Emigranten nach Ascona: Albert Ehrenstein, Stefan George, Else Lasker-Schüler, Erich Maria Remarque und viele mehr. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte, nicht zuletzt auch mit dem "Deutschen Wirtschaftswunder", eine rege Bautätigkeit ein, die sich bis in die heutigen Tage fortsetzt. Ascona wurde zum "Lebensgefühl". Auf die "gute, alte Zeit" folgte die "Zeit nach der guten, alten Zeit"., hier geht's zu einigen Episoden dazu. Ein grosser deutscher Autoproduzent verkaufte von 1970 bis 1988 rund 3,3 Millionen Familienfahrzeuge des Typs "Ascona". Heute präsentiert sich das ehemalige Dorf als mondäner Touristenort mit einer vergleichsweise hohen Dichte an Fünfsternhotels und Luxusgütern. Es findet jährlich ein Jazzfestival statt. Verschiedene Museen und Stiftungen zeugen von der reichen kulturellen Vergangenheit Asconas. Als Antwort auf die Frage nach den alten „Originalen“ von Ascona, erhält man eine Aufzählung schillernder Namen: die "Naturmenschen" des Monte Verità um Henri Oedenkoven, Rudolf von Laban, der Meistertänzer, Leo Kok, der Antiquar, Erich Maria Remarque, der  Schriftsteller, Wladimir Rosenbaum, der Antiquitätenhändler, das „Verbano“, ehemaliges Szenenlokal, Marianne Werefkin, die „Nonna von Ascona“, und viele andere mehr. www.ascona.ch