Carlo Bach, Journalist, Filmproduzent und Übersetzer

1898-1968, geboren in Strassburg, gestorben in Ascona

Nachruf im Ferien-Journal Nr. 114/4, vom 6.7.1968: "Zum Gedenken an Carlo Bach, von Bettina. Am Dienstag, 11. Juni starb Carlo Bach nach längerer Krankheit. Viele Freunde und Bekannte geleiteten ihn auf dem Weg zum Friedhof. Der Bürgermeister und andere Persönlichkeiten waren anwesend. Signor W. Rosenbaum nahm mit einer kurzen Ansprache Abschied von unserem lieben und humorvollen Carlo Bach.
Seit ungefähr 30 Jahren lebte Carlo Bach in Ascona, fast jeder kannte ihn und mochte ihn gerne. Aber nur wenige wissen, dass er bevor er in Ascona sesshaft wurde, in vielen Ländern und in verschiedenen Berufen tätig war. Er war vielseitig begabt und in der Arbeit äusserst diszipliniert, ja ein Pedant, er duldete keine Schlamperei. Er lebte nach der Devise: Erst die Arbeit und dann das Vergnügen.
Carlo Bach wurde am 2. Sept. 1898 als Sohn des Gymnasial-Direktors Dr. Joseph Bach geboren. Er machte in Strassburg sein Abitur und anschliessend eine Lehre bei der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Er wollte etwas sehen von der Welt und reiste 1922 als junger tüchtiger Bankfachmann nach Südamerika, wo er in Buenos Aires, Bolivien und Peru arbeitete. Es war wohl die Krisenzeit, die ihn veranlasste, 1929 nach Europa zurückzukehren. Von 1929 bis 1931 war er als freier Journalist in Berlin und Paris tätig. 1931 fand er dank seiner humanistischen Bildung bei der deutschen Filiale der Metro Goldwyn Meyer-Film AG einen Posten als Produktionsleiter der dramaturgischen Abteilung. 1933 verlegte er seine Filmproduktionstätigkeit nach Barcelona und Madrid. Im Sommer 1936, als er in der Schweiz in den Ferien weilte, brach in Spanien der Bürgerkrieg aus und Carlo Bach konnte nicht mehr nach Spanien zurückreisen. 1937 nahm er seine Filmarbeit in Wien wieder auf, aber schon 1938 lebte er als Emigrant in der Schweiz, er verzichtete auf die deutsche Nationalität und wurde staatenlos. Zuerst war er in einem Arbeitslager, von 1941 bis 1942 Filmtätigkeit in Zürich.
Und dann kam Bach nach Ascona und hier ist es, wo er seine eigentliche Berufung als Übersetzer und Nachschöpfer der Literatur entdeckt hat. Er lernte hier Lola Humm-Sernau kennen, die auch journalistisch tätig gewesen war und begann mit ihr zusammen Bücher zu übersetzen, hauptsächlich aus dem Englischen, aber auch französische, spanische und italienische. Insgesamt sind es über 150 Werke, welche Bach in Zusammenarbeit mit Lola Humm-Sernau übersetzt hat. Der Dichter Werner Bergengruen sagte z.B. über das Buch „Liebe lud mich ein“ von Alfred Hayes, das von ihnen übersetzt wurde: „Es ist ein seltenes Meisterwerk sinngemässer Übertragung“. Dies gilt nicht nur für dieses eine ihrer übertragenen Bücher, denn alle sind Meisterwerke der Übersetzungskunst!
Wir werden Carlo Bach nicht vergessen und wenn wir zu einem Buch von einem fremdsprachigen Autor greifen, werden wir nachsehen, ob es nicht vielleicht von ihm übertragen worden ist."