Werner Bergengruen
Werner Bergengruen, Schriftsteller

1892-1964, geboren in Riga, Lettland, gestorben in Baden-Baden

Sohn einer Arztfamilie. Ausbildung in Lübeck und Marburg, Studien der Germanistik und Kunstgeschichte in Marburg und München. Im Ersten Weltkrieg tat Bergengrün freiwillig als Stosstruppführer des Deutschen Heeres Dienst, danach, 1919, als Angehöriger der Baltischen Landeswehr. 1919 in Marburg Hochzeit mit Charlotte Hensel. Ab 1920 war Bergengruen in Berlin als Journalist tätig, ab 1927 als freier Schriftsteller in München und Berlin. 1946 liess er sich in der Schweiz nieder, wo er in Ascona sein bekanntestes Werk „Der letzte Rittmeister“ schrieb. Er war unter anderem mit dem Verleger Peter Schifferli befreundet. Von 1956-1958 lebte Bergengruen in Rom anschliessend, bis zum Tod in Baden-Baden.
Auszug aus „Der letzte Rittmeister“: „Der Frühling begann, in den kahlen Wäldern blühten die wilden Kirschbäume, und im Café Verbano hatten sie schon die grossen Fensterscheiben hinaufgeschoben. Der Himmel war blau, draussen lag die Vormittagssonne. Der Rittmeister und ich sassen beim Aperitif. Er hatte die Blechschachtel vor sich auf den Tisch gelegt und stopfte Zigaretten für uns beide. Flanierend oder geschäftig kamen Menschen vorbei, Einheimische und Freunde, begeistert klingende Radfahrer, Männer mit Baskenmützen und Einkaufsnetzen, dazwischen ein Priester, elegante Frauen in Hosen, die künstlich so hergerichtet waren, als seien sie von alten Fischern abgelegt worden. Alle Augenblicke schon schoss, flitzte, donnerte etwas Motorisiertes vorüber, etwas Herrschaftliches, Wohlhabendes, Sportliches, etwas Rumpelnd-Bescheidenes oder Lastbares, auf vier oder zwei Rädern. Wir sahen dem zu und gestanden uns gegenseitig unbeschämt zu, dass wir keinerlei motorische Fahrzeuge zu lenken wussten und auch nicht den Wunsch hatten, jemals etwas von dieser Art zu besitzen. – Il ne faut ni gazettes ni maîtresses ni maisons de campagne parce qu’il y a toujours des imbéciles que en ont pour nous (Balzac).“