Grand Hotel Brissago

Nach mehreren erfolglosen Versuchen, in Brissago ein Hotel zu bauen, entstand, entworfen vom Architekten Paolito Somazzi (1873-1914), zwischen 1904 und 1906 die „Grande Dame“ der Hotellerie am Lago Maggiore, das Grand Hotel Brissago. Es war, für seine Zeit, mit allem erdenklichen Luxus ausgestattet: elegante, künstlerisch ausgestaltete Zimmer, Hallen und Säle, Lift, elektrisches Licht, Zentralheizung, Lesesaal, Buvette, american Bar, Billardzimmer, eigener Landungssteg, Tenniscourt, Croquet- und Cricketanlage, hauseigenes Orchester, französische Küche, herrliche Lage am See mit mediterraner Parkanlage. In seiner Glanzzeit von 1906 bis zum Zweiten Weltkrieg war das Grand Hotel Brissago ein Treffpunkt der „Crème de la Crème“ dieser Welt. Aus der Gästeliste: Piero Chiara, Ernest Hemingway, Hermann Hesse, Erich Kästner, Thomas Mann, Erich Maria Remarque, Rainer Maria Rilke, Joachim Ringelnatz, Arturo Toscanini, Kurt Tucholsky, Herbert G. Wells. In seiner „Villa Myriam“ auf Nachbarparzelle südlich des Hotels, lebte der Komponist Ruggero Leoncavallo, der seine Feste oft und gerne in den lichten Hallen des Grand Hotels feierte. Im Jahr 1943 wurde es zum Internierungsheim für rund 150 Flüchtlingen, Frauen und Kinder, aus allen vom Krieg betroffenen Ländern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der normale Betrieb wieder aufgenommen. Im Jahr 1964 wurden gut 12'000 Übernachtungen registriert. Es folgte der Niedergang: Im Jahr 1971 waren es noch gut 4'000 Übernachtungen, das Hotel wurde geschlossen. Der Gründe gab es viele: Sanierungsbedarf (Baufälligkeit), Parkplatzmangel, Strukturveränderungen (Abwanderung der Gäste in Ferienhäuser und –wohnungen), Missmanagement (fehlende Investitionsplanung, kurzfristiges Spardenken, Personalabbau, Leistungsabbau). In der Folge wird das Haus von Vandalen ausgeweidet und von Touristen als Gratisabstiege benutzt. Der Besitzer Schönenberger weigerte sich, das Haus zu sanieren und neu zu eröffnen, er schlug jedes Kaufangebot aus. In der Nacht auf Ostermontag im Jahr 1983 wurde der stolze Bau ein Raub der Flammen, seine Ruine blieb 10 Jahre lang stehen.  So lange dauerte es, bis Besitzverhältnisse, Zonenplan und Projektierung ihren Gang durch die Behörden abgeschlossen hatten. Heute steht anstelle der „Grande Dame“ ein weisses, zehngeschossiges Appartmenthaus mit 34 Luxuswohnungen, entworfen vom Architekten Aurelio Galfetti. Die einen nennen es einen „städtebaulich wichtigen Akzent“ die anderen finden es „einfach nur völlig grauenhaft“. Dokumentationen zum Grand Hotel Brissago: Isa Hesse "Geister und Gäste, in Memoriam Grand Hotel Brissago", Film von 1989; Monica Nestler "Grand Hôtel Brissago 1906-1993", ISBN 88-85118-36-4. Im Dokumentarfilm „Angelo Conti Rossini, der Koch, der Clown und die Liebe zur Anarchie“ des Bayerischen Rundfunks von 1995, erzählt der Meister von seiner Beziehung zum Grand Hotel, ISBN 3-93935614-X.

Hier geht's zum Ausschnitt aus "Geister und Gäste, in memoriam Grand Hotel Brissago, von Isa Hesse, mit freundlicher Zustimmung von Silver Hesse und Erich Langjahr, www.langjahr-film.ch - der Film kann auf DVD bei Langjahr Film GmbH bestellt werden. Jo Mihaly schildert die Entstehung des Hotels:

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