Brissago

Karl Viktor von Bonstetten, 1795: "Einige Meilen seeab von Locarno is die Gemeinde Brissago von 1'460 Seelen. Sie haben das sonderbare Recht, dass der Landvogt von Locarno zu ihnen kommen muss, um in Civil- und Criminalfällen zu richten. Dieses Recht war nicht ohne grosse Unkosten, weil der Amtmann nicht auf eigene Rechnung kommt. Ich begleitete den Herrn Landvogt; als er ankam, wurden die Glocken gläutet, die in diesen Ländern selten Ruhe haben. Die drei Consili empfingen ihn am Ufer. Das Dorf Brissago hat seine besondere Verfassung, seine Podesta, drei Consuls, einen Kanzler, ein Untergericht, von welchem man an den Podesta appelliren konnte." Die ersten nachgewiesenen Siedlungen in Brissago datieren von rund 1'000 vor Christus. Wie fast alle Ortschaften am Ufer des Lago Maggiore hat auch Brissago von den vom Berg angeschwemmten Ablagerungen profitiert - die Natur hat einen einigermassen ebenen Lebensraum in diesen schroffen Abhängen geschafft. Brissago besteht aus drei Geländerücken, "Coste" genannt: die "Costa di Fuori" was so viel wie "draussen" heisst, die "Costa di Mezzo", Mitte, und die nördlichste der drei, die "Costa di Dentro", drinnen. Auf den drei "Coste" verteilen sich insgesamt 11 kleinere Ortsteile. Sehenswürdigkeiten in Brissago: Die Kirchen "Pietro e Paolo", "Madonna di Ponte", wo sich das Grab des Komponisten Ruggero Leoncavallo befindet, und "Sacro Monte" mit dem vom Tessiner Künstler Fra Roberto gestalteten Kreuzweg und der barocke "Palazzo Branca-Baccalà" mit dem Leoncavallo-Museum. Und selbstverständlich auch die Brissagoinseln. Angelo Conti Rossini, einst einer der grössten Köche der Schweiz, war ein Sohn Brissagos. Ben Nicholson, "der englische Picasso", lebte und wirkte in seinem selbst entworfenen Haus auf der "Costa di dentro". Brissagos grösstes Gebäude, die ehemalige Tabakfabrik, erzählt von der spannenden wirtschaftlichen Entwicklung des Dorfs. Eine vergangene Sehenswürdigkeit, das "Grand Hotel Brissago" kann nur noch auf Fotografien, in Isa Hesses Film von 1989: "Geister und Gäste, in Memoriam Grand Hotel Brissago" oder in Monica Nestlers Buch "Grand Hôtel Brissago 1906-1993" bestaunt werden. www.brissago.ch