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Angelo (Beli) Cattomio, Kunsttischler ind Intarsiator

1917 geboren in Ascona
 

Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 140/6 vom 21. August 1971, Asconeser-Künstler, Angelo (Beli) Cattomio:  - Intarsiator – Ascona, von BBM: „Sein Beruf ist selten. Er verlangt viel Sinn für kunstvolle Formen und ein grosses Wissen über die Möbelstile aller Epochen. Angelo Cattomio nämlich ist Intarsiator. Vielen unter uns mag dieser Beruf unbekannt sein. Wir möchten daher besonders an Möbelstücke aus der Renaissance-Zeit erinnern: Häufig sind diese mit wundervollen eingelegten Ornamenten aus Holz verziert.

Früher waren es Klosterbrüder, die diese feinen Einlegearbeiten machten. Die modernen Möbel weisen natürlich keine solchen Verzierungen mehr auf. Immerhin gibt es Leute genug, die Stilmöbel den nüchternen Inneneinrichtungen unserer Zeit vorziehen. Und für solche Liebhaber ist Angelo Cattomio der geeignete Mann: Keiner versteht es im Tessin wie er, zerfallene Intarsien derart fachmännsich zu restaurieren.

Freunde von Stilmöbeln aus Norditalien und der ganzen Schweiz sind die Kunden des qualifizierten Intarsiators Angelo Cattomio. Allerdings will sein Handwerk gelernt sein: Nachdem der Asconeser seine Schreinerlehre abgeschlossen hatte, besuchte er eine Kunstschule in Zürich, wo er die verschiedenen Kunststile studierte. „Ein Intarsiator muss in sämtlichen Stilen bewandert sein, wenn er Restaurationen wirklich fachgerecht ausführen will“, meint der Meister. Nach Kriegsende eröffnete Angelo Cattomio eine Werkstatt für die Restauration alter Möbel. Heute arbeitet er noch immer hier mit zwei Angestellten, die bei ihm das Restaurieren erlernten und schon jahrelang in seiner Werkstatt tätig sind.

Früher war sein Betrieb weit umfangreicher. Angelo Cattomio ist jedoch kein Grosskaufmann. „Ich arbeite, um mir meine täglichen Mahlzeiten zu verdienen“, meint er bescheiden. „Mehr will ich nicht. In dieser Beziehung bin ich ein unverbesserlicher Zigeuner“.

Die Restauration eines alten Stilmöbels ist schwierig und verlang viel Können und Geduld. An einer Kommode arbeitet Angelo Cattomio beispielsweise rund 200 Stunden! Der Arbeitsprozess beginnt mit dem Zerlegen des ganzen Möbelstückes in einzelne Teile. Sämtliche Löcher und Risse werden geflickt. Dann macht man auch Leimeinspritzungen in das Holz, damit dieses zusammenhält. Von den alten Intarsien versucht er soviel wie möglich zu erhalten und nur die vollkommen zerfallenen Stellen werden ersetzt. Für die Intarsia verwendet er Mahagoni-, Eben-, Kirschbaum-, Ahorn-, Nussbaum- und Rosenholz. Diese unterschiedlichen Hölzer ergeben die wirkungsvollen Kontraste der Einlegearbeit. Beizen könnte man nämlich bei Intarsien nicht, denn dies würde das Bild zerstören. Die einzelnen Holzarten klebt Angelo Cattomio vorerst zu kleinen Elementen zusammen, die er nachher in Scheiben zersägt. Somit entstehen dann zahlreiche Stücklein des gleichen Dessins, die er hierauf zum Gesamtbild zusammenfügt.

Stilmöbel sind heute jedoch nicht mehr derart gefragt wie einst. Die Schuld daran haben einerseits die Mode, die heute in Richtung rustikaler Möbel geht, und anderseits die erheblichen Preise, bedingt durch die zeitraubende Herstellungsarbeit. Angelo Cattomios Aufgabenbereich liegt denn jetzt auch nahezu ausschliesslich in der Restaurierung alter Möbel. Nachfrage nach neu hergestellten Stilmöbeln besteht sozusagen keine mehr.

Arbeitslos wird deshalb der 54jährige Asconeser allerdings wohl kaum. Neben seinem Beruf als Restaurator ist er noch Kunstmaler. Seine Bilder sind eindrücklich. Sie behandeln hauptsächlich das Thea „Die Welt nach dem Atomkrieg“. Deformierte Embryos und Zerstörung stellen seine Bilder dar. Sie sollen eine Mahnung sein.“

   

Aus einem Prospekt der Galleria AAA, Associazione Artisti Ascona: „Angelo Cattomio, genannt Beli, ist am 1. November in Ascona geboran. Als Kunsttischler besucht er als Zwanzigjähriger eine Kunstschule in Zürich, studiert die verschiedenen Kunststile und perfektioniert sich als Holzschnitzer und Intarsiator. Eröffnet nach Kriegsende eine Werkstatt in Ascona für die Restauration antiker Möbel. Durch die Malerei angezogen schliesst er sich den Asconeser Künstlern an und nimmt Malstunden unter Führung von Duss und Otto Bachmann. Cattomino hat in vielen Kollektiv-Ausstellungen mitgewirkt, Einzelausstellungen durchgeführt und wird in der Enzyklopädie der italienischen Kunst erwähnt.“ Asconeser Künstler im Shopping Center Breitenbach, unter dem Patronat der AAA, Februar 1971.