Aleksej Chomjakov

Alexej Stepanowitsch Chomjakow, Dichter, Publizist, Theologe und Philosoph

 

1804-1860, geboren und gestorben in Speschnewo-Iwanowskoje

 

Als Spross einer Adelsfamilie wurde Chomjakov von Privatlehrern ausgebildet. 1821 dissertierte er an der Moskauer Universität in Mathematik. Bereits zu jener Zeit erschienen seine Gedichte und Übersetzungen. Nach dem dreijährigen Militärdienst unternahm er von 1926 bis 1928 eine Reise nach Westeuropa, er lebte vorwiegend in Paris, reiste auch in die Schweiz und hielt sich am Lago Maggiore auf, wo er ganz im Geist der russischen romantischen Italiendichtung seine "Isola Bella" schrieb. Das Gedicht ist erschienen in "Landschaft und Lyrik: Die Schweiz in Gedichten der Slaven, 1988 herausgegeben von Peter Brang und Christoph Ferber, der für die deutsche Übersetzung zeichnet. Div ist die russische Bezeichnung des bösen Geistes in der iranischen dualistischen Mythologie, Peri sind die weiblichen Geister. 

 

Isola Bella

Du steigst erhaben aus den Wassern,

Hältst, Insel, meinen Blick gebannt;

Auf Marmorfelsen, wild, verlassen,

Schuf, Schöne, dich der Menschen Hand

Dich hüllen reicher Gärten Schatten,

Du wirst umspielt von blauer Flut,

Als ein Smaragd, der nie ermattend

In türkisfarbner Fassung ruht.

Mich lockt dein glückliches Gestade

Voll stillem Reiz, voll süssem Wahn:

Beeil dich, Schwimmer! Woge, trage

Zu dir, o Insel, meinen Kahn!

Dort glühn, von Zweigen sanft umfangen

Zitronen hell im Goldornat,

Und dort, wie jungfräuliche Wangen,

Brennt purpurfarben der Granat.

Es duften Rosen frisch im Kreise,

Der Lorbeer grünt dort immerdar,

Und Myrtenblätter zittern leise,

Als flüsterte ein Liebespaar.

Hier atmet alles Wärme, Süden,

Die Gärten und der Marmorstrand;

Vor Kälte schützen und umfrieden

Die Alpen dich, o Zauberland!

Und hell erblitzt’s von Eis am Himmel

Und überm Wolkenband erstehn

Gebirgsgiganten und erschimmrn,

Behelmt von jungfräulichem Schnee.

Geschieht’s nicht ebenso in jener

Geschichte aus dem Morgenland,

Wo Persiens jugendliche Schöne,

Fern, hinter Meer und Fels verbannt,

Von Feen gehegt, ihr Leben fristet,

Umhaucht, umsäuselt immerfort,

Und wo der finstere Div sich brüstet,

Behütend diesen Zauberhort. 

 

Quelle: Christoph Ferber