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Angelo Conti Rossini, Koch

1923-1993, geboren in Brissago, gestorben in Porto Valtravaglia

 

Sein Vater war Bäcker-Konditor und Gastwirt. Seine Frau Miriam kam aus Biasca, sie absolvierte eine Lehre als Verkäuferin und arbeitete vor ihrer Heirat mit Angelo als Kindermädchen und Hauswirtschafterin in Basel. Mit 15 Jahren ging Angelo nach Zürich, um im Hotel Baur-au-Lac eine Kochlehre zu beginnen - ohne Lohn, im Gegenteil: Seine Eltern Cesare und Stella mussten dem Arbeitgeber tausend Franken Lehr-Entschädigung bezahlen. Angelo war der erste Tessiner Lehrling im Baur-au-Lac. Wanderjahre: Palace in Lausanne, Kulm und Palace in St. Moritz, De la Paix in Genf und Savoy in Zürich. 1951 übernahm er das elterliche „Ristorante Giardino“ in Brissago und führte es in die höchsten Höhen der kulinarischen Kunst. Conti Rossini galt als einer der besten Köche der Schweiz. Auf dem Zenith seines Erfolges schloss er das „Giardino“ in Brissago und übernahm das Zepter im gleichnamigen Fünfsternehotel in Ascona für drei Jahre. Kurz vor seinem Tod besann er sich auf die traditionelle Küche. Er änderte sein Konzept und taufte das „Giardino“ Brissago in „Osteria Agora“ um. „Agora“ ist griechisch und heisst soviel wie Markt- oder Versammlungsplatz und das sollte Conti Rossinis neues Lokal auch sein: ein Treffpunkt für Freunde der Philosophie, der Musik, der Literatur, der Malerei und der Kochkunst. In seinen Gästebüchern tauchen unzählige Namen auf: Hans Arp, Paulette Goddard, Herbert Leupin, Wladimir Rosenbaum, Michel Simon oder Aline Valangin, die Angehörigen der Schweizer Landesregierung, die Angehörigen der Zürcher Kantonsregierung sind nur einige davon. Conti Rossini war ein Verfechter des Guten, Gerechten und der Freiheit. Er fühlte sich verbunden mit all den Menschen, die in seiner Nähe ebenfalls für eine Welt frei von Herrschaft eingetreten waren: Stefan George, Gerhart Hauptmann, Hermann Hesse, Leon Hirsch, Fritz Jordi, Erich Mühsam, Erich Maria Remarque, Richard Seewald, Ernst Toller, Heinrich Vogeler. Im Dokumentarfilm „Der Koch, der Clown und die Liebe zur Anarchie“ definierte Conti Rossini den Anarchisten wie folgt: Der Anarchist glaubt, dass der Mensch wirklich gut ist und infolgedessen können gute Menschen auch eine gute Weltanschauung und eine gute Weltgesellschaft bilden. Das ist eine Ideologie, die einzige, die den totalen Respekt hat vor der Freiheit des Einzelnen, der Freiheit die der Mensch unbedingt will, eine kompromisslose Freiheit, die dort endet, wo die Freiheit des anderen beginnt.“  Conti Rossini schrieb Gedichte und Texte. Die Tessinerzeitung schrieb in ihrem Nachruf: „Das Tessin trauert um einen seiner beliebtesten Zeitgenossen. Angelo Conti Rossini aus Brissago war der erste Tessiner Koch, der die hiesige Küche aus dem Grotto-Niveau in die Ranglisten der gastronomischen Führer hob. Mit ihm zog ein anderer Geist in die Tessiner Kochkultur ein. „Es gibt verschiedene Arten im Leben, sich auszudrücken: die Malerei, die Musik, die Literatur, das Kochen“, hatte Conti Rossini einmal gesagt.“ Angelo Conti Rossini liegt mit seiner Frau zusammen in einem Wandgrab auf dem Friedhof „del piano“ in Brissago. 1987 sendete das Schweizer Fernsehen die Sendung "vis à vis, Angelo Conti Rossini im Gespräch mit Frank A. Meyer". 1992 erschien Conti Rossinis Autobiographie: „Mein Buch“, ISBN 3-91014859-X. 1995 erschien die TV-Dokumentation „Der Koch, der Clown und die Liebe zur Anarchie“ des Bayerischen Rundfunks, ISBN 3-939-35614-X.

Zwei Ausschnitte aus der Sendung: „Vis à vis, Frank A. Meyer spricht mit Carlo Conti Rossini des Schweizer Fernsehens aus dem Jahr 1987. Conti Rossini wird vorgestellt. Mit freundlicher Zustimmung von Schweizer Fernsehen 1987, www.sf.tv.

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