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Dickmann, verschneites Dorf
Oskar Franz Emil Dickmann, Maler

1896-1972, geboren in Wien, gestorben in Locarno

Oskar Dickmann lebte ab 1939 im Tessin. Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 49/2, vom 21. Juni 1960, Asconeser-Künstler, aus dem Leben des Malers O. Dikmann, Muralto von M.G.: „Da der Maler Oskar Dikmann früher lange Jahre in Ascona lebte, stehen wir nicht an, ihn unter der Rubrik „Asconeser-Künstler“ unseren Lesern im Text und mit einer Zeichnung vorzustellen. Es gehört zur Charakteristik unseres, in mancher Hinsicht leider dekadenten Zeitalters, die geistig Schaffenden, darunter auch die Maler, erst dann anerkennen und zu ehren, wenn sie das Zeitliche gesegnet haben. Man veranstaltet alsdann pompös aufgemachte, öffentliche Auktionen und der im Galopp herbeigelaufene Snob internationaler Färbung wirft – mit der üblichen Gönnergebärde – Hunderttausende auf den blank gescheuerten Auktionstisch, um das, bisweilen winzigkleine, aber sehr wertvolle Gemälde eines verstorbenen Meisters zu ergattern, natürlich mit der selbstgefälligen Reklamemeldung an alle Tagesblätter, die sich für wichtig halten. Der posthume Erlös für dieses einzige Werk, beileibe nicht das Beste unter den zahlreichen Schöpfungen des betreffenden Malers, hätte genügt, dem in der Regel schwer um seine Existenz ringenden Künstler einen sorgenfreien Lebensabend zu bereiten. Sapienti sat! (est) Betrachten wir, ganz aus der Nähe, das Alltagsleben und das Schaffen unserer talentvollen Tessiner Künstler, so fühlen wir uns zu der, an die gesamte Öffentlichkeit gerichteten Mahnung berechtigt, das schöne Interesse an echter Kunst nicht erst dann zu betätigen, wenn der Bildhauer, Dichter oder Maler in die „bessere Welt“ hinübergegangen ist, sondern jetzt, wo der Künstler noch in unserer Mitte weilt und nach der verdienten Anerkennung ringt! Mit warmherziger, menschenfreundlicher Anteilnahme mögen wir bei allen, sich darbietenden Gelegenheiten versuchen, sein Schaffen praktisch zu fördern. Diese Förderung verlangt bisweilen ein wenig soziales Nachdenken, indem man diesen oder jenen entbehrlichen materiellen Luxus einige Zeit aufschiebt oder auf ihn ganz verzichtet und an seiner statt den kulturell wertvollen Schöpfungen unserer Künstler sein Interesse zuwendet. Nebenbei bemerkt: Unsere hoch gebildeten Freunde pflegen dies nach Möglichkeit zu tun und beweisen damit ihre geistige Vornehmheit. Man bittet uns, unter den im Tessin niedergelassenen Malern deren Werke seit langem unsere südländische Landschaft und seine Bewohner in aparten Werken verherrlichen, einmal Ausschau zu halten. Dabei sind wir auf eine Künstlerpersönlichkeit grossen Formats gestossen, die neben anderen, verdient in weiten Kreisen anerkannt und gefördert zu werden. Der aus dem Norden unseres Landes stammende, aber seit Jahrzehnten mit dem Tessin verwurzelte Maler O. Dikmann imponiert dem streng abwägenden Freunde der Kunst in erster Linie durch die Aufrichtigkeit seiner künstlerisch dargebotenen Auffassung der südlichen Natur und der in ihr lebenden Menschen. Wer diese Natur und die so merkwürdig ausgeprägte Eigenart der bodenständigen Tessiner Kultur noch nicht näher kennt, erfährt eine seelische Offenbarung beim Anblick der Werke dieses feinfühligen und impulsiv arbeitenden Künstlers. Von Dikmann’s Ölgemälden, Aquarellen und Zeichnungen darf man ohne Übertreibung sagen, dass sie in sich abgerundete, intuitiv geschaute Kompositionen darstellen, um welche die Verzauberung der uns tief ergreifenden lateinischen Kultur weht – wie ein Hauch aus einer besonders schönen Welt. Der Künstler selber meint vom seelischen Zustande des Schaffens, der selbst die Wahl technischer Ausdrucksmittel zu beeinflussen vermag: „Die Seele bestimmt den schöpferischen Gedanken und so den Ausdruck der Malerei. Ist die Seele schwerblütig oder traurig, so mischen sich auf der Palette immer mehr Schwarz und Grau, während das dumpfe Rot und das Grünblau nur wenig und sparsam gebraucht werden. Die Schönheit einer Stimmung liegt nicht vielen grellen Farben. Die Tiefe einer Landschaft kommt mehr in Erscheinung, wenn die Sonne mit grauen Wolken verdeckt ist.“ Wer dieses nachdenkliche Bekenntnis des Malers hört, versteht recht wohl, wenn ein erfahrener Kritiker angesichts der künstlerischen Schöpfungen Dikman’s von gewissen holländischen Meistern spricht und meint: „Seine Farben und seine Pinselführung haben etwas von der strotzenden Art eines Vlaminck.“ Neben den Landschaften, in denen die Tessiner Täler mit ihren malerischen dörflichen Siedlungen eine grosse Rolle spielen, neben fein komponierten Genrebildern und aparten, originellen Stilleben, erfreut uns der Künstler mit liebenswürdig charakterisierten Studienköpfen und ausgezeichneten Porträts, besonders auch den reizenden Köpfen von Kindern, deren feine Züge er so vortrefflich wiederzugeben weiss, so dass dem Maler nicht wenige begeisterte Danksagungen der Familien die verdiente Anerkennung brachten. Welche, für gute Kunst empfängliche Familie wird unseren talentierten Maler demnächst durch den Auftrag erfreuen, ein liebliches Kinderköpfchen im Bilde festzuhalten - ? – ein Dokument hochgemuter Kunst, das für ein ganzes Menschenleben den Familienmitgliedern eine wunderschöne Erinnerung bedeutet.“