1926 Die wilden Dreissiger.

Der Baron von der Heydt kaufte 1926 den Monte Verità, liess ein Hotel im Bauhausstil errichten und präsentierte seine asiatische Kunstsammlung dem interessierten internationalen Publikum.

Der anarchistische Drucker Jordi aus dem bernischen Belp richtete in Fontana Martina bei Ronco s/Ascona eine Kolonie ein. Es gingen bei ihm ein und aus: Margarethe Hardegger, Paul Klee, Else Lasker-Schüler, Gustav Regler, Iganzio Silone, Heinrich Vogeler und andere.

Lebensstil und Spekulation hatten die Baronessa St. Lèger ruiniert. Sie musste ihre geliebten Brissagoinseln verkaufen. An Max Emden, einen Hamburger. Dieser machte aus den Inseln ein Prestigeobjekt und lud wichtige und weniger wichtige Leute zu sich ein, darunter Konrad Adenauer und Aga Khan. Er beschäftigte junge Frauen, die sich nackt auf der grossen Insel bewegen. Eine von ihnen hiess Ursula von Wiese. Ihr und die nackten Hintern zweier weiterer Grazien zieren eine Neuauflage von Robert Landmanns "Monte Verità Ascona".

Peter Riesterer zitierte Charlotte Bara: "In Ascona habe ich viel Schönes erlebt. Es kamen damals Menschen aus aller Welt. Ascona war ein fröhliches Dorf. Emil Ludwig organisierte herrliche Künstlerfeste... Der Arzt und Anarchist, der Dr. Raphael Friedeberg, grosszügig und loyal, war ein hilfsbereiter Mensch und Menschenfreund. Ascona erlebte damals, bis in die dreissiger Jahre bewegte Epochen. () Emil Ludwig, die Künstler Marianne von Werefkin, Jawlensky, Segal, Kohler, Rohlfs, Schürch, Frick und wie sie alle hiessen, belebten das Dorf. () Paul und Lilly Klee gaben bei mir im Hause private Konzerte. Die Else Lasker-Schüler... Wer als Schriftsteller, Maler, Lebensphilosoph, von der Bühne oder vom Film nach Ascona kam, kehrte im San Materno ein und aus. Es waren Asconas fröhlichste Tage der Bohème, bis eben eines Tages der Baron von der Heydt auftauchte, den Monte Verità erwarb und den 'Reichtum' nach Ascona lockte. Alles von Rang und Name glaubte wenigstens einmal in seinem Hotel absteigen zu müssen, um sagen zu können, in diesem Paradies gewesen zu sein. Und damit hörte die Fröhlichkeit und natürliche Lebensfreude in Ascona aus..."

Bis 1927 kannte die Gemeinde Ascona kein Bauregelement. Jedermann konnte bis dahin bauen, wie und was ihm beliebte. In den Jahren 1920-1925 wurden je 2-6 Baubewilligungen erteilt. 1926 waren es 25, 1927 37 Bewilligungen und 1930 deren 53. Um die Wende zum 20. Jahrhundert kostete Bauland an Asconas prominentesten Lagen zwischen 6 und 35 Rappen pro Quadratmeter, 33 Jahre später lagen sie zwischen 6 und 15 Franken. Diese Zahlen stammen aus dem Baubuch Ascona von Eduard Keller. Es werden darin auch Mutmassungen zur Wertsteigerung von Liegenschaften um den Faktor 10  im Zeiraum von 1900 bis 1930 angestellt und davon geschrieben, dass "nicht anzunehmen ist, dass ähnliche Preissteigerungen auch jetzt noch vorkommen", weil "die gegenwärtige Zeit sich durch eine ruhigere Entwicklung auszeichnet und sich die Stabilisierung der Werte allgemein vorteilhafter auswirkt als die vorhergegangene sprunghafte Emporschnellung". Falsche Prognose! Die "Emporschnellung" im Zeitraum von 1930 bis 2010 dürfte in etwa den Faktor 200 betragen, an Spitzenlagen sogar den Faktor 2'000 ...