Josef Eberli, Ascona, Debarcadero
Josef Eberli, Zeichner und Grafiker

 

1908, geboren in Hochdorf

 

Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 139/5 vom 31. Juli 1971, Asconeser-Künstler, Josef Eberli, Zeichner-Grafiker, von Giovanni: „Wer von der Dorfkirche die via Beato Berno, ein schmales Gässchen, hinunter schreitet, erblickt hinter einem Bogenfenster gegenüber der Bar „Isole“ einen Mann, der über einen Zeichentisch gebeugt ist und arbeitet. Dies ist Josef Eberli, Grafiker und Aquarellist. Hier hat er sein kleines Atelier, wo er tagsüber zeichnet und seine klaren, lichten Aquarelle malt.

Josef Eberli wurde 1908 im luzernischen Hochdorf geboren. Dort erlernte er den Mechanikerberuf, besuchte aber gleichzeitig neben der Lehre die Kunstgewerbeschule in Luzern. Der Handwerkerberuf befriedigte ihn nicht so ganz, nach der Lehrabschlussprüfung sattelte er um. Er wurde Reklamezeichner. 1927 zog er nach Lugano, um im damals sozusagen einzigen Reklamebüro der Schweiz, das sich „Remus-Propaganda“ nannte, jahrelang zu arbeiten. Zuerst als Volontär, bei einem minimalen Lohn. Was blieb da anders übrig, als sich nach einem zusätzlichen Verdienst umzusehen. An den Wochenenden „verdingte“ er sich als Pianist im Luganese und spielte an vielen „Feste campestre“ Klavier. Als Fussballfanatiker zeichnete er für den Luganeser-Club „Bianconeri“ die Reklame, natürlich unentgeltlich. Einige Jahre später, 1930 zog er nach Zürich und war dort bei der „Publicitas“ als Grafiker tätig. In Zürich besuchte er auch die Kunstgewerbeschule. Ferne besuchte er die Kunstakademie der Brera in Mailand. Dann lebte er als freischaffender Künstler. Dazwischen unternahm er viele Auslandreisen, um seinen Horizont zu erweitern und um neue Eindrücke und Impulse für sein Schaffen zu erhalten.

1938 fand er seine Frau, er heiratete, zwei Kinder kamen, das Leben war ausgefüllt von Familie und Arbeit. Als die Kinder erwachsen waren, verkaufte er sein Haus in Zumikon, um erneut in den Tessin, diesmal nach Ascona, zu ziehen. Josef Eberli hat sich an zahlreichen Ausstellungen beteiligt, so im Buchclub EX LIBRIS in Zürich, dann an Gruppenausstellungen „Zumiker-Künstler“, an verschiedenen „Zürich-Land“ Ausstellungen, in der ehemaligen Galleria Herzig Ascona, sowie in Zumikon in seinem Heim, wo er seine Werke öfters in Atelier-Ausstellungen zeigte. Heute hat Josef Eberli diese kleine Galerie an der Via Berno 14 in Ascona, wo er seine Zeichnungen und Aquarelle zeigt, wo er arbeitet und wo der stets liebenswürdige und feinsinnige Künstler gerne Besucher empfängt.

Josef Eberli beschränkt sich auf Zeichnungen und Aquarelle. Seine Malweise ist ehrlich, vielleicht sogar etwas altmodisch. Bei ihm gibt es keine rätselhafte Konstruktionen, hinter denen sich allzu oft eine bemühende hilflose zeichnerische Unfähigkeit verbirgt. Josef Eberli, der heute über Sechzigjährige, hat sich von der Gebrauchsgrafik zum Künstlerischen hingewandt. Man erkennt, dass er eine gute Grundausbildung hat, die sich zu einer unkomplizierten und klaren Kunstauffassung wandelt. Seine Zeichnungen sind genau, ja fast pedantisch, da gibt es keine perspektivische Verzerrung, alles ist so, wie es sein muss, wie es der Realität entspricht! Seine Aquarelle sind ansprechend und sauber ausgeführt. Die Farben mit Delikatesse gewählt, der Pinselstrich ist klar, der Feuchtigkeitsgrad richtig. Die Aquarelle erreichen eine Transparenz, die einfach, sympathisch und faszinierend wirkt.“