Greti Egg, Kinderbuchautorin

Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 89/3, vom 19. Juni1965: Künstler im Tessin, Besuch bei Greti Egg in Ronco, von Jeremias: „Drei Leben lebte und lebe ich: die Jugend, das Leben mit meinem Mann und jetzt der Abschnitt der Ruhe und der Stille.“ Ein warmer Vorfrühlingstag war zu Ende gegangen. Wir hatten in der kleinen Pension die Abendmahlzeit eingenommen und sassen nun in dem grossen Wohnraum des weissen Hauses hoch über dem See in Ronco, von dem der Blick bis hinunter nach Luino geht. Die Sträucher im Garten waren noch kahl, aber man fühlte, dass ein paar Sonnentage genügen würden, um alles zum Spriessen zu bringen. Ich denke, dass jetzt schon die Narzissen verblühten, dann kommt die Zeit der Rosen, Glyzinien, der Pignopien, dann die der Goldbandlilien, der Azaleen und der Rododenre,; die Zedern, die Zypressen und Palmen werden Schatten spenden und Zeugnis sein der segensreichen Tessiner Erde.
„Was war ein gradliniges Leben: Jungend in Wien mit Konzerten im Stephansdom, Sylvesteraufführungen in der Oper, immer beglückende Familienatmosphäre, Lehrerinnenstudium; dann 35 Jahre glückliche Lebensgemeinschaft mit dem Lehrer Fritz Egg; jetzt dieses Haus über dem See, den Garten, die Bücher, die Freunde, die Morgenstille, die mich schon um 5 Uhr hinauslockt, die Abende – Erinnerungen.“
Die Erinnerungen an die Waldspaziergänge mit dem Hund, an die Ferienlager mit den Kindern und dem Gatten, an den Zoo, an Saida, die Löwin. Saida: sie war am Schwanz verwundet gewesen. Gerti Egg hatte die Wunde mit Salbe gepflegt. So kam die Löwin immer, wenn Gerti auftauchte, zum Gitter und streckte den Schwanz heraus. Die Erinnerung an Tjinta, die Geliebte Leopardin: ein Eisbär hatte ihr infolge eines unglückseligen Zusammentreffend den Schwanz abgebissen. Niemand durfte sie berühren. Nur Gerti Eggs Stimme beruhte sie, diese schwesterliche Stimme, der das Tier vertrauen durfte. Die Leopardin legte manchesmal den Kopf in Gerti Eggs Hände und schlief. Die Erinnerung an die Schimpansin Nanette, und die Phyton-Schlange, die Carl Stemmler-Morath der Tierfreundin aus Zürich bei einem Besuch um den Hals gelegt hatte...
Daraus entstanden Bücher, die ungezählten Kindern Stunden reinsten Entzückens schenkten: „Bethli und Hanneli in der Ferienkolonie“, Zoo – hell!“ „Am Rand der Wüste“, „Gute Gespanen“, „Mario und Buffo“, „Murrli“, „Diebsgesindel“, „Mustapha“, u.s.w. Daraus entstanden Briefschaften und Freunschaften, erwuchsen – ungemessen – Verständnis und Liebe für die Kreatur, für die Mitmenschen.
Stille, ja, aber nicht Vereinsamung. Denn aus vielen Herzen müssten gute Gedanken immer wieder hinaufgehen zu dem Haus, in dem Gerti Egg wohnt, die weitergab, was sie selbst empfindet: Güte.“