1917 Emigranten!

Jakob Flach: "Die illustren Gäste auf dem Monte Verità packten und verschwanden. Die ersten Emigranten zogen in die leeren Zimmer, verfemte Schriftsteller, Schauspieler, Gelehrte, reiche Leute ohne Geld, arme ohne Arbeitserlaubnis, Heimatlose, Wurzellose ... Der Krieg brach aus. Die Grenzen schlossen sich. Das Hotel Monte Verità stand leer. Erst nach und nach besannen sich die reisegewohnten Schweizer, als ihnen Sizilien und das Nordkap, Venedig und San Remo gesperrt waren, auf die südlichen Seen. Die Hotels am Lago Maggiore füllten sich wieder mit etwas bedächtigeren, doch nicht weniger lenbenslustigen Gästen; das oft totgesagte Ascona erklomm wieder einen Höhepunkt als Kurort, als Festort, als internationaler Treffpunkt aller, die nicht allein sein konnten." Neben Bern und Zürich wurde Ascona zu einem bevorzugten Domizil für Menschen, die dem Ersten Weltkrieg entflohen oder entfliehen mussten. Besonders Künstler pendelten in der Kriegszeit zwischen Zürich und Ascona. Jakob Flach berichtete in seinem "Ascona gestern und heute" über das tagelange Fest auf dem Monte Verità, das im August 1917 stattfand und "Maler, Autoren, Musiker, Psychologen und Menschenfreunde aller Art sich zusammenfanden, um, hinweg über Landesgrenzen, Hass und Missverstehen, sich die Hände zu reichen und gemeinsam einen Weg zu finden heraus aus dem Gestrüpp und Urwald einer unwürdigen Zeit". Er schrieb von Rudolf von Laban und seiner Tanztruppe, von der ersten gemeinsamen Ausstellung der Künstler, den "Fixsternen", Hans Arp und Marianne Werefkin und von Arthur Segal, der die Fresken am Friedhof von Ascona malte: "Was für ein böses Gelb, ein feuriges Rot, ein staunendes Blau - die damals Aufbrausen und Widerspruch im Dorf erweckten." Heute sind die Fresken erblasst.