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Stefan George, Dichter

1868-1933, geboren in Bingen, Deuschland, gestorben in Minusio

Sohn eines Gastwirts und Weinhändlers. Er studierte Romanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Berlin, München und Paris. Er übte nie einen Beruf aus. George hatte keinen festen Wohnsitz, er war immer auf Reisen, bei Freunden und hatte im Elternhaus in Bingen und bei Karl Wolfskehl in München ein Zimmer zur Verfügung. Mit der Gründung der "Blätter für die Kunst" bildete sich ab 1892 der "Stefan George Kreis", eine Gruppe von Künstlerfreunden aus ganz Europa.  George wurde als "Meister" angesprochen. In München Kontakte zu Franziska zu Reventlow und der Schwabinger Bohème. Er entzog sich durch Flucht dem Nationalsozialistischen Versuch, seine klassisch-aristokratischen Ideale zu Propagandazwecken zu missbrauchen. George lehnte alle öffentlichen Ehrungen zu seinem 65. Geburtstag im Jahr 1933 ab und verweigerte die ihm von Josepf Goebbels angetragene Präsidentschaft einer neuen "Deutschen Akademie für Dichtung". Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 ein erfolgloses Attentat auf Adolf Hitler verübte, war ein Verehrer von George, siehe unten. Auch Johannes Nohl gehörte zu den unzähligen Verehrern Georges. George hielt sich immer wieder auf dem Monte Verità auf. Von 1931 bis 1933 lebte er während einiger Monate pro Jahr in Minusio in der "Mulino  dell'Orso", in der kurz zuvor der Musiker Lennart von Zweyberg gewohnt hatte. In Minusio stand er in Kontakt zu den Bildhauern Wilhelm Schwerzmann und Max Uehlinger. "Der Dichter hatte keinen Kontakt mit unseren Leuten, mit Ausnahme der wenigen erwähnten und auch nur in Momenten, wo es darum ging, irgendwelche Bürokratie zu erledigen. Man begegnete ihm manchmal entlang der Strassen, denkend und einsam, die angenehme Wärme der Sonne geniessend, er vermied stets die kurzen schattigen Strecken, sondern suchte sich den besonnten Weg. Es wohnten bei ihm in der Regel auch bedürftige Studenten, die – so erzählte er zumindest – Unterstützung in der Vorbereitung ihrer Diplomarbeit benötigten." Aus Giuseppe Mondada, Minusio, Raccolta di Memorie. Am 28. November 1933 wurde er in die "Clinica Sant' Agnese" in Muralto eingeliefert, wo er kurz darauf starb. Der Bildhauer Remo Rossi fertigte Georges Totenmaske aus Gips an. Am Nikolaustag wurde er in Minusio bestattet, "in einem Winkel des Fiedhofs, von ihm selbst ausgesucht, der Sonne zugewendet, und so, dass er die Kinderstimmen während der Schulpausen hören konnte. Dieses Grab wurde auf den neuen Friedhof gezügelt; auf dem grossen, dunklen Granitstein ist nur der Name des Dichters eingraviert, umhüllt von gepflegten Lorbeerblättern. Sein Grab wird oft besucht". Giuseppe Mondada.
In der FAZ.NET, der online-Zeitung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erschien am 3. August 2007 der Artikel "Das Geheimnis des Stefan George" von Frank Schirrmacher. Ein Auszug: "Niemandem glauben, der behauptet, Stefan George sei vergessen. Nicht zustimmen, nur weil man seine Gedichte nicht kennt. Georges Werk ist gegen das Vergessen immunisiert wie vielleicht kein anderes. Das hat zu tun mit jener Frühlingsnacht vor dreiundsechzig Jahren, als nach einem verheerenden Bombenangriff in Wannsee ein Oberstleutnant namens Claus Graf Schenk von Stauffenberg auf den Balkon trat, die Brände betrachtete und Verse aus Stefan Georges Gedicht „Der Widerchrist“ zitierte. – Es hat zu tun mit dem Foto, das den siebzehnjährigen Claus mit George im Berlin der zwanziger Jahre zeigt. Es hat zu tun mit jenem Dezembertag vor vierundsiebzig Jahren, als bei Locarno Claus von Stauffenberg und sein Bruder Berthold die Totenwache am Sarg Stefan Georges hielten - eine Szene, die noch kein Film gebannt hat und die die Grenzen des Vorstellbaren überschreitet: wie da im Winter 1933 die Stauffenbergs inmitten aller George-Freunde, Nazis und Nichtnazis, Verfolgter und fast schon Verfolger, die Wacht halten, wie der Kranz vom Deutschen Reich eintrifft, gesandt vom Genfer Geschäftsträger Ernst von Weizsäcker, eine Ehrenbezeugung, deren Hakenkreuzemblem sofort Streit auslöst."
Aus "Blätter für deutsche und internationale Politik", Micha Brumlik über "Die Ikonisierung Stauffenbergs. Stefan George, Karl Wolfskehl und das Geheime Deutschland": "Es war alles andere als ein Missverständnis, als der preussische Kultusminister Bernhard Rust, Mitglied der NSDAP, 1933 darauf drang, George mit dessen Zustimmung als 'Ahnherr der neuen Regierung' bezeichnen zu dürfen und ihm – nach dem Hinauswurf der Gebrüder Mann und anderer aus der preussischen Akademie der Künste – dort eine 'Ehrenstellung ohne jede Verpflichtung' anzubieten. George, der schon Ende Februar 1933 Deutschland verlassen hatte, entzog sich alledem durch einen Aufenthalt in der italienischen Schweiz, wo er im Dezember des Jahres starb. Anlässlich seiner Beerdigung in Minusio erfolgten Debatten, ob und unter welchen Umständen die Reichsregierung dort einen Kranz ablegen konnte – ein vom damaligen Gesandten in der Schweiz, Ernst von Weizsäcker, niedergelegter Kranz, zeigte neben dem schwarzweissroten Band der Reichsfarben ein Hakenkreuzband, auf das zuerst Rosen gelegt und wieder entfernt wurden – das Hakenkreuzband wurde schliesslich von Unbekannten entfernt. Nach der Grablegung verabschiedeten sich einige Jünger mit dem Hitlergruss."
www.stefan-george-gesellschaft.de