Rolf Gérard
Rolf Gérard, Arzt, Bühnenbildner und Maler

1909-2011, geboren in Berlin, gestorben in Ascona

Rolf Gérard kam am 9. August 1909 in Berlin zur Welt. Seine Eltern waren die bekannte italienische Sängerin Mafalda Salvatini und der deutsche Wissenschaftler französischer Abstammung Walter Gérard. Rolf begann zu zeichnen, bevor er schreiben konnte. Sein Abitur machte er im Internat in Berlin-Dahlem. Es folgten Reisen nach Marokko, Paris, Island und Schottland. In Berlin begann er eine Berufslehre beim Glühbirnenfabrikanten Osram. Nach deren Abbruch Studium des Römischen Rechts und der Gerichtsmedizin an der Berliner Universität, Zeichenunterricht an der Akademie. 1928 Begegnung mit der Schauspielerin Lilly Palmer, seiner späteren Verlobten. 1929 Wegzug von Berlin, Studien in Göttingen und Freiburg im Breisgau. 1932 belegte er ein Sommersemester in Oxford. Nach der Fortsetzung der Studien in Heidelberg, wo auch Hannah Arendt studierte, unter anderem bei Karl Jaspers, wurde es für Rolf Gérard in Deutschland zu gefährlich, er zog nach Paris, wo er an der Sorbonne studierte: „So wunderbar die Sorbonne war, Paris selbst zog mich unwiderstehlich hin zur Malerei“. Sein Medizinstudium in Basel schloss er 1934 ab, notgedrungen dort, weil in der Schweiz dieser Zeit der „numerus clausus“ allgegenwärtig war und er sich nur mittels Beziehungen seines Vaters immatrikulieren konnte. 1935 war er zum ersten Mal in Venedig: „Venedig geht durch mein ganzes Leben, dort verbindet sich das Bühnenbild und die Malerei“. 1936 Ferienreise mit Lilly Palmer an die Costa Brava. Nach Abschluss seines Doktorats 1937 in Basel zog er zu Lilly Palmer nach London. 1939 erste Bilderausstellung in London. Während des Zweiten Weltkriegs war Gérard als Not- und Assistenzarzt tätig: „Ich hatte nicht umsonst Medizin studiert. Ich musste nicht schiessen, sondern ich konnte helfen. Das war ein sehr wichtiger Moment in meinem Leben, der für mich das ganze Medizinstudium rechtfertigte, obwohl es später nicht mein Beruf wurde.“ 1941 Trennung von Lilly Palmer in Freundschaft. 1946-1947 Arbeit an verschiedenen Theatern in London zusammen mit dem Regisseur Peter Brook. 1947 britische Staatsbürgerschaft, Reisen nach New York und Hollywood. 1948 zog Gérard nach New York, wo er sich, unterbrochen von verschiedenen Reisen nach Europa, während der folgenden 23 Jahre aufhalten sollte. Erstes Engagement an der Metropolitan Opera im Jahr 1950, die erste Einzelausstellung im Jahr darauf. 1951 Heirat mit Kyra. Aufträge des amerikanischen Fernsehens für verschiedene Bühnenbilder und Kostüme, Designaufträge aus der Mode- und Parfumbranche, Ausstellungen in den USA und Frankreich. Bekanntschaften und Freundschafen mit vielen Stars der internationalen Kunst- und Theaterszene. 1958 wurde die von Gérard entworfene „Sommerresidenz“ in Valbonne, Südfrankreich, bezogen. 1959 Russlandreise. 1971 definitive Rückkehr nach Europa mit Wohnsitz in Genf. Promotion zum „Officier de la Légion d’Honneur“ in Paris. 1976 starb Kyra nach langer Krankheit: „Sie blieb meine grosse Inspiration bis zum Ende.“ Auf Anraten von Lilly Palmer traf Gérard 1977 in Ascona seine Jugendbekanntschaft Fritzi aus London: „Da lächelten mir zwei Dinge zu, die ich seit 40 Jahren nicht gesehen hatte, eine Frau und ein See.“ Umzug nach Ascona. Neue Bekanntschaften und Freundschaften, unter anderem mit Wladimir Rosenbaum, Robert Siodmak, Hans Habe, Wladimir Vogel und Italo Valenti. 1987 „Glücksbegegnung“ mit dem Museo Epper in Ascona und der Kuratorin Frau Diana Mirolo. „Beginn einer grossen Freundschaft und Zusammenarbeit in Bezug auf das Archiv meiner Arbeiten – die Bühnenbilder, meine Entwürfe für die Kostüme, die Keramikarbeiten, Skulpturen und vor allem mein malerisches Werk.“ Im Jahr 2003 wurde die „Fondazione Rolf Gérard“ gegründet und von dieser das alte Patrizierhaus an der via carrà dei Nasi 1 in Ascona gekauft. 2004 Tod von Fritzi nach langer und schwerer Krankheit. 2006 bezog Rolf Gérard seine Wohnung im zum Museum umstrukturierten Haus der „Fondazione Rolf Gérard“. – „Wenn diese für Ascona neue kulturelle Initiative, auch dank der grosszügigen Hilfe von Freunden und treuen Mitarbeitenden, weitere Kreise im nationalen und internationalen Sinne zieht, dann ist meine Absicht erreicht.“ Rolf Gérards Grab befindet sich auf dem Fiedhof von Ascona. www.rolfgerard.com.
Werk und Leben von Rolf Gérard können nachgeschaut und nachgelesen werden in: Rolf Gérard, 90 Jahre Lebenstagebuch, Matthias Frehner, Diana Mirolo, Benteli Verlags AG, Bern, 2007, ISBN 978-3-7165-1501-3.