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Otto Gross, Arzt, Psychoanalytiker und Anarchist

1877-1920, geboren in Gniebing, Österreich, gestorben in Berlin

Sohn eines österreichischen Rechtsprofessors. Besuch von Privatschulen. 1899 Abschluss als Arzt. 1900 Tätigkeit als Schiffsarzt, Drogenabhängigkeit. 1903 Heirat mit Frieda Schlofer. Gross traf 1904 erstmals auf Sigmund Freud, enger Kontakt. Er kam 1905 zu einer Entziehungskur (Kokain) auf den Monte Verità und hielt sich in der Folge bis zum Jahr 1911 immer wieder dort auf. Er zählte zum Kreis der "anarchistischen Bohemiens" (Erich Mühsam, Johannes Nohl) und plante in Ascona eine "Hochschule zur Befreiung der Menschheit". 1906 Lehrstuhl für Psychopathologie in Graz und Durchbruch mit "Die sexuelle Revolution". Im selben Jahr geriet in den Verdacht, den Wirkstoff für den Freitod von Lotte Hattemer, einer Mitbegründerin des Monte Verità, bereit gestellt zu haben. Tätigkeit als Privatdozent in Graz. 1907 gebar seine Frau Frieda den Sohn Wolfgang Peter (Januar), im gleichen Jahr gebar seine Geliebte Else Jaffé seinen Sohn Peter (Dezember). Eine weitere Geliebte, die Schweizer Schriftstellerin Regina Ullmann, gebar schliesslich 1908 seine Tochter Camilla. Wie Figura zeigt, pflegte Gross die "freie Liebe". Frieda Gross, seine Angetraute, lebte in der Folge mit dem Kunstmaler Ernst Frick zusammen, diese Partnerschaft brachte drei Kinder hervor. 1908 Teilnahme am 1. Psychoanalytischen Kongress in Salzburg. 1911 kurzfristige Einlieferung in eine psychiatrische Anstalt gegen seinen Willen. 1912 wurde Gross wegen Mords und Beihilfe zum Selbstmord seiner Geliebten, Sophie Benz, steckbrieflich gesucht, 1914 wurde er in Graz für wahnsinnig erklärt,  interniert und 1917 als "geheilt und bürgerlich erwerbsfähig" wieder entlassen. Er starb an einer Lungenentzündung "und möglicherweise Entzugserscheinungen". Zwei Tage vor seinem Tod wurde er halb verhungert und unterkühlt in einem Berliner Lagerhaus gefunden. "Otto Gross wurde von den einen als begnadeter Analytiker, genialer Gelehrter und Philosoph gefeiert, während die anderen ihn als "gemeingefährlichen Geisteskranken" internieren und auf Lebenszeit entmündigen lassen wollten." Internationale Otto Gross Gesellschaft, www.ottogross.org.