Ferdinand Grosshardt, Maler, Grafiker und Bühnenbildner

1901-1960, geboren in Basel, gestorben in Zürich

Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 32/8, vom 28. September 1957, Asconeser-Künstler, Ferdinand Grosshardt, von Jakob Flach: „Mehr braucht man nicht zu erwähnen als kurz den Namen „Ferdinand“, dann geht die Sonne auf bei jedem, der ihn kennt, ein Lächeln geht über die Lippen und ein verstehendes heiteres Kopfnicken zeigt seine Freude an dieser seltenen Pflanze in unserem Garten! Daher würde es sich erübrigen, weiter von ihm zu berichten, denn jeder kennt ihn – aber gerade über die bekanntesten und berühmtesten Meister wird vor allem geschrieben, vom grünen Klee zum roten Picasso, darum wollen wir nicht zurückstehen und Ferdinand so unsterblich machen, wie er es verdient hat! Obwohl er nicht mehr ständig in Ascona sein Unwesen treibt, ist er uns doch stets gegenwärtig durch seine Werke auf Mauern, auf Holz, auf Packpapier; durch seine Taten in Kneipen, auf Maskenbällen Bocciabahnen und Schabrettern, in Billardzimmern, an Jasstischen und in der Webstube; vor allem aber durch seine skurrilen Weisheitssprüche, die, im Augenblick für den Augenblick geboren, dennoch ein zähes Leben führen und als Legenden und Anekdoten durch die Gassen flattern, sich auf die knorrigen Äste der Platanen am Lungolago setzen und sich vorzustellen suchen, wie es damals hier aussah vor zwanzig, dreissig Jahren, als noch die Kühe weideten auf der Piazza und es noch nicht ein Dutzend Antiquare gab, dafür aber mehr alte Häuser und alte Osterien, in denen alte Zecher alte Lieder sangen. Aber er, Ferdinand, überwindet alles mit Humor, die härtesten Schicksalsschläge, selbst die Wandlung eines intimen Dorfes in einen lärmigen Kurort. Als Freund von Blumen, Katzen, Frauen und Bettlern mit Holzbein, als verstehender, gütiger Mensch, erträgt er jedes Unheil und vergoldet es mit einem Scherz: Erdbeben, Cafard, Rheumatismus, langweilige Lyriker, lärmstotternde Motorräder und dicke Brillengläser – nur Uniformen und Kanonen machen ihn störrisch (selbst als langjähriger Oberförster zur See trägt er Zivil und ererbten Filzhut seines Grossvaters mütterlicherseits); von Eile gepeitschten Zeitgenossen, die die Kurven schneiden, möchte er an die Gurgel fahren; und wer ihm Spinat mit Ei oder eine Flasche Nebiolo vorsetzt, der ist seines Lebens nicht mehr sicher.
So viel über den Lebenskünstler. – Nun wäre über den bildenden Künstler zu sprechen, über das Verhältnis seiner Farben zu seiner Weltanschauung; Violett und Schwarz am Montag; luftiges Aquarell in den Ferien auf Korsika; Dispersionsfarben an Föhntagen; Weinbrot und Tomatenrot auf der Serviette; Leuchtgarben am Bühnenhorizont; Urgrund und Kreidegrund seiner psychologisch bedingten Einstellung zur Sinuskurve – kurzum, die Farbe, die Freude, die Kunst in ihrer heiteren Form füllt sein Leben aus, jeder Brief von ihm ist illustriert mit übermütigen Zeichnungen, jeder Bericht von einem Abenteuer wird illuminiert und graphisch beleuchtet auf der Rückseite einer Menukarte, einer Zigarettenschachtel und – doch jetzt will ich vor der Mauer der Diskretion Halt machen, ehe er mir die Freundschaft, etwas vom köstlichsten was ich hab, kündigt!
Wer Kunst von Ferdinand Grosshardt sehen will, braucht nicht in Sonntagshosen und feierlichem Schlips durch eine Ausstellung zu wandern: er gehe tanzen zu Jimmy im Hof des „Centrale“, dort wird ein Fresco von der Mauer auf ihn herunterschauen, so sonnenversengt, verregnet und herrlich, als ob es dreihundert Jahre als wäre; er gehe in die Lago-Bar, die Ferdinand in einen einzigartigen Freudenkeller umwandelte, um dort an Hand der Fresken, Bilder und Holzplastiken zu erahnen, was in jenem Atelier hinter den sieben Bergen geschaffen und gestaltet wird, in den Farben würdig eines Braque und Juan Gris, in der sicheren Komposition eines alten Meisters, und immer ganz Ferdinand; wer mehr sehen will, gehe ins New York Museum moderner Kunst oder, etwas näher, ins Marionettentheater, für das Ferdinand seit Jahren die Dekorationen entwirft und malt mit ständig neuen Einfällen und Ausfälle - - auf dessen Bühne auch das kollektive Werk weiterer Asconeser Künstler-Maler, Bildhauer, Musikanten und Fadenzieher – zu geniessen ist, sowie die vielseitige Arbeit des ergebenen Berichterstatters: Jakob Flach.“