Hattemer
Ida Hofmann, Lotte Hattemer, Henry Oedenkoven
Paulette Charlotte Hattemer, Mitbegründerin des Monte Verità

1875-1906, gestorben in Ascona

"Eine leicht überdrehte Bürgermeisterstochter". Mitbegründerin der "vegetabilischen Cooperative" auf dem Monte Verità, zusammen mit Henry Oedenkoven, den Hofmann-Schwestern Ida und Jenny und den Gräser Brüdern Gusto und Karl. Sie starb 1906 unter misteriösen Umständen. Der Polizeirapport, er wurde drei Jahre nach ihrem Tod ausgestellt, spricht von Selbstmord, jedoch, das Gerücht, wonach sie an einer Morphiumvergiftung gestorben war, hielt sich hartnäckig und damit die Verdächtigung auf "Beihilfe" ihrer Freunde Otto Gross, Johannes Nohl und Erich Mühsam. So verwirrend ihr Ableben war, so verwirrend war ihr Gebrauch des eigenen Familiennamens: Pauline Charlotte Hattemer, Lotte Hattemer, Lotte Hattemacher, Lotte Chattemer - Namen, mit denen sie sich vorgestellt hatte. In der Kommune nannte man sie "Babette" auch "heilige Babette" oder "die Bürgermeisterstochter". Curt Riess: "Ein liebenswertes Geschöpf, das nach seiner Flucht aus dem Elternhaus in zweideutigen Kneipen Kellnerin gewesen, aber rein geblieben war und meist im Freien übernachtete." Emil Szittya: "Die sympathischste, wenn auch die tragischste Entwicklung unter den Begründern des neuen Lebens hatte Lotte durchgemacht. Sie fand das Treiben ihrer Kameraden lärmend und zog sich von den zu lauten Idealisten zurück. Lebte in einem ruinenhaften Haus. Schlief auf blossem Stein. Ass nur rohe Wurzeln. Jede Nacht kletterte sie auf einen Berggipfel. Klaubte trockenes Reisig zusammen, legte ein grosses Feuer an und siebte die Asche, wobei sie jammervoll schrie: ,Mein Gott, es ist noch nicht fein genug!'" Käthe Kruse beschrieb Hattemers letzte Tage so: „Mit Schrecken sah ich, dass ihr Weg zum sicheren Hungertode führen musste. Ich sprach mit ihr, sie wurde weich, dankbar und glücklich. Aber war ich, allein mit meinen zwei Kindern in dem einsamen Weinberghäuschen, zur Seelenretterin berufen? Nach zwei Tagen gelang es mir, sie zu überreden und mit einer Fahrkarte nach Domodossola zu versehen. Dort befand sich gerade ihr Vater, ein vermögender Mann, der tiefunglücklich über das Schicksal seiner Tochter war. Er wollte sie in die Heimat mitnehmen zur Mutter. Was zwischen Vater und Tochter in den zwei Tagen in Domodossola vorging, weiss ich nicht. In der letzten Nacht nahm Lotte Gift und erwachte nicht mehr.“ Auch Erich Mühsam widmete der Hattemer in seinem "Ascona" von 1905 einige Seiten.