Adh Hedblom, Bildhauer

1898-1972, geboren in Sundsvall

Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 17, vom 16. Juni 1956, Asconeser-Künstler, Adh (Gustav-Adolf) Hedblom, von Doris Hasenfratz: „Das Meer seines schwedischen Heimatortes Sundsvall, der noch 500 km nördlich von Stockholm liegt, hat der Bildhauer G. Hedblom gegen den Lago Maggiore vertauscht. – Es ist schwer für einen Künstler in einem Lande zu arbeiten, in dem die Sonnentage knapp bemessen sind. – Der lichtlose, lange Winter drückt auf das Gemüt und hemmt jede künstlerische Intuition. Vor mehr als zehn Jahren hatten ihm amerikanische Freunde den Weg nach Ascona gewiesen. Ascona ist seither sein Wohnsitz geworden, in dem er auch sein Atelier aufgeschlagen hat. Doch viele Wochen im Jahr rufen ihn Porträtaufträge in die nördlichen Länder zurück. In Schweden, der Schweiz und Deutschland hat Hedblom sich durch seine Porträtbüsten einen Namen gemacht. Der Künstler hat in früheren Jahren viele Brunnen- und Gartenfiguren geschaffen, von denen ein grosser Teil die öffentlichen Anlagen  in schwedischen und deutschen Städten schmückt. Doch in den letzten Jahren hat er sich vorwiegend für Porträtaufgaben interessiert, weil der Mensch an sich in allen seinen vielfältigen Ausdrucksformen sein künstlerisches Schaffen bewegt. Es gelingt ihm, das Charakteristische und Typische seines jeweiligen Modells festzuhalten, dabei das Wesentliche einer Büste, die Ähnlichkeit nicht ausser acht zu lassen. Wer die von ihm geschaffenen Köpfe aufmerksam betrachtet, wer ein Gefühl für Physiognomien hat, der erkennt beim ersten Blick, ob der Dargestellte ein Minister, ein Künstler oder ein Industrieller ist. Der Männerkopf interessiert den Künstler besonders stark wegen seiner markanten, charakteristischen Zügen, während ihn der Frauenkopf mehr wegen seiner lebendigen Bewegtheit anspricht. „Wieviel Zeit brauchen Sie für die Fertigstellung einer Büste?“, fragte ich. „Ich arbeite rasch. Manchmal genügen zwei Sitzungen, meistens aber brauche ich vier bis fünf. Zwischen den Sitzungen arbeite ich aus dem Kopf. In jedem Menschen suche ich den für ihn zutreffenden und somit einmaligen Ausdruck zu finden, und dies ist es, was ich in meinen Köpfen festzuhalten bestrebt bin. Denn das ist das Typische, was eben diesen einen Menschen bestimmt, was in seinem Wesen liegt, ganz unabhängig von der Gemütsverfassung, in der sich mein Modell bei den Sitzungen befindet.“ In schwedischen und deutschen Museen sind Arbeiten von Hedblom zu finden. Der Künstler hat in Italien, Paris, London, Schweden und Deutschland studiert. Gern arbeitet er auch in Stuck, die Gestaltung von Zimmerdecken macht ihm grosse Freude, obwohl es heute nur selten derartige Aufgaben zu lösen gibt. Die künstlerische Gestaltung von Stuckaturen ist durch die Stilrichtung der modernen Architektur fast in Vergessenheit geraten.  Die Mehrzahl seiner Männerbüsten wird in Bronze gegossen und zwar im Tessin, wo es in Mendrisio die ausgezeichnete Giesserei Brotal gibt. Der Maestro Gandini hat zwanzig Jahre lang in Paris gearbeitet, er ist ein Künstler in seinem Fach, auf den der Bildhauer sich verlassen kann. Für seine Frauenköpfe zieht Hedblom Stein oder Terracotta vor. Aus Hedbloms schmalen und gut geformten Kopf spricht die Sensibilität des künstlerisch Schaffenden. Seine hellen Augen, die eines nordischen Menschen, haben die Kraft in die Tiefe zu dringen und Verborgenes zu erforschen.“