Boris Hellmann, Schauspieler und Bühnenbildner

1905-1975, geboren in Heiden, gestorben in Zürich

Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 46/7, vom 12. September 1959, Asconeser-Künstler, von Lee Maril: „Hoch über Intragna, in Pila, mit der Aussicht auf das herrliche Tal der Melezza hat sich Boris Hellmann angesiedelt in seinem geliebten Tessin. Hier lebt er, wenn er nicht gezwungen ist, nach Zürich zu fahren, umgeben von grauem Gemäuer, blühenden Blumen, Himbeerdickicht… und vierzehn Katzen! Eine alte, sehr weise Bäuerin sorgt nachbarlich für ihn. Dort oben fand er die Umwelt, die ihn anregt zum Malen, zum Philosophieren… die Einsamkeit, die ihn belebt… eine Einsamkeit, die ihn nicht zum Misanthropen machte, sondern ihn in seiner positiven Haltung zum Mitmenschen bestätigt. Hier ist die Quelle seiner Potenz als Mensch, Maler und Philosoph;
Ihm zu begegnen ist ein Erlebnis. Seine Freimütigkeit und Aufgeschlossenheit ist entwaffnend, sie macht den Austausch wirksam und beflügelnd. Ohne zu zögern beginnt er zu erzählen:  „Ich bin im „Paradies“ geboren, im Hotel Paradies in Heiden! Mein Vater, Doktor der Chemie, war derzeit in Transvaal. – Ich begegnete ihm erst sieben Jahre später. Zwei fremde Elemente trafen sich in mir. So wurde ich vom Schicksal zum „Suchenden“ bestimmt. Ich habe mein Leben lang gesucht, aber ist nicht ehrliches Suchen besser als Finden? Ich ging in Zofingen in die Elementarschule, dann in Bern ins Gymnasium. Ich war kein guter Schüler, aber ein „lieber Kerl“ – so stellte mich wenigstens mein neuer Lehrer in Bern meinen neuen Kameraden vor. Dieser Lehrer wurde mein Schutzpatron. Er war Zeichenlehrer und erkannte meine Begabung. So ging er eines Tages zu meinem Vater und sagte: „Herr Doktor, Sie würden Ihren Sohn gern zu einem Studierenden machen. Ich verstehe das wohl, aber bitte Sie, tun Sie dies nicht, er hat das Zeug zu einem Künstler. - - Ich übernehme die Verantwortung““.
So wurde Boris Hellmann Maler; studierte in München und Berlin auf Stipendien, denn sein Vater liess ihm wohl seinen Willen, aber er sprach bis zu seiner Sterbestunde nicht mehr ein Wort mit seinem Sohn.
Als Brotverdienst malte er Kulissen, so kam er in Kontakt mit dem Theater. Der bekannte Bühnenbildner Kolundt sah seine Arbeit und vertraute ihm grössere, verantwortungsvollere Aufgaben an. Der Zufall fügte es, dass er aushilfsweise eine Charge spielte… auch dafür war er begabt… über den Durchschnitt. Rosa Valetti unterrichtete ihn; Moissi, Bassermann forderten ihn an für Charakterrollen. Viele Jahre stand er auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Die Welt für viele … nicht für Boris Hellmann, denn ureigentlich war er Maler. So rückte das Malen wieder in den Vordergrund bis heute. Schon an den Aquarellen, die er in der Antica Osteria Bustelli in Intragna zeigt - - 700 andere Bilder befinden sich in Zürich – beweist sich sein ausgepräger Farbensinn, der Wille zum malerischen Ausdruck: Eine sehr zarte Frühlingslandschaft, eine dunkle Mühle im Tal, ein Gartenstilleben in bäuerlich-kräftigen Farben, sicher geführte Porträt-Tuschzeichnungen von Tessiner Männern und Frauen. Das Einprägsamste an diesen Bildern - - und an dem Menschen Boris Hellmann, ist der Wille zur Mitteilung, das Hinüberreichen der Fülle des Gesehenen, des Erlebten an den Beschauer seiner Malerei; im Theater faszinierte er damit den Zuschauer und im Kreis der Freunde beim gefüllten Boccalino den Gesprächspartner.  „Wie komme ich zu diesem Reichtum?“ fragt er demütig verwundert und blickt sinnend ins Tal hinunter. Dann meint er: „Manchmal schreib’ ich mir auf, was mir an Gedanken kommt“, und er blättert in einem Notizbuch. „Wahre Augen, die vieles sofort zu erkennen vermögen, leben meisten über einem Mund, der das Schweigen-Können achtet“, und „Man wird erst zu kleinen Persönlichkeit mit der vollen Selbstlosigkeit“ und zuletzt: „Zum richtigen Können gehört das würdige Warten“. Ein anderes Mal schreibt er: „Ich fühle mich glücklich in dem Versuch, der Tausendfähigkeit des Lebens gerecht zu werden!“ Das ist Boris Hellmann!“