Maria "Mia" Hesse-Bernoulli
Maria „Mia“ Hesse-Bernoulli, Fotografin

1868-1963, geboren in Basel, gestorben in Bern

Die Familie Bernoulli ist seit dem 17. Jahrhundert in Basel ansässig, verschiedene Bernoullis  machten diesen Namen als Wissenschaftler und Künstler über die Stadt hinaus bekannt. Maria gilt als erste Berufsfotografin der Schweiz, sie hatte ihr eigenes Atelier in der Innenstadt. Sie begleitete Hermann Hesse, er arbeitete seit 1899 als Sortimentsgehilfe in der Reich’schen Buchhandlung in Basel, im April 1903 auf einer Italienreise bis in die Toskana. Gegen den Willen ihrer Eltern verlobte sich Maria Bernoulli und Hermann Hesse 1903. Mit der Veröffentlichung des „Peter Camenzind“ stellte sich Hesses erster grosser Erfolg ein. 1904 heiratete die 35-Jährige den um neun Jahre jüngeren Hesse. Sie gab ihre Selbständigkeit auf und zog mit ihrem Mann nach Gaienhofen am Bodensee – „weit weg von allem Bürgerlichen“ – wo ihre drei Söhne zur Welt kamen, als erster Bruno im Jahr 1905. Die Italienreise von 1906 unternahm Hesse ohne seine Frau. Im April 1907 fuhr er für vier Wochen nach Ascona, wo er auf dem Monte Verità in einer „Lufthütte“ lebte und sich einer Alkoholentziehungskur unterzog. Auch 1907 bezog die Familie das neu erbaute Haus in Gaienhofen, Vater Bernoulli, inzwischen milder gestimmt, hatte mitfinanziert. 1909 wurde Sohn Heiner geboren. 1910 erschien Hesses Roman „Gertrud“. 1911 kam Sohn Martin zur Welt. 1911 bereiste Hesse, wiederum ohne seine Frau, Umbrien und die Toskana, von September bis Dezember war er nach Ceylon und Indonesien unterwegs. Familie Hesse zog 1912 wieder in die Schweiz, nach Bern. 1913: „Die Ehe zwischen Mia und Hermann wird zunehmend schwieriger“ (www.hessemontagnola.ch). Als 1916 Hesses Vater gestorben war und Sohn Martin schwer erkrankte, erlitt Hesse einen Nervenzusammenbruch und begab sich von  April bis September in psychoanalytische Behandlung, er begann zu malen. Im Jahr 1918 entschlossen sich Mia und Hermann die Trennung, kurz darauf traten bei Mia psychische Störungen auf, sie wurde 1919 hospitalisiert. In Montagnola schluckte Hesse im September 1919 eine Überdosis Opium und war als Folge davon temporär nicht mehr handlungsfähig. Er bat seinen Arzt Josef Lang mit der Familie Bernoulli in Basel in Kontakt zu treten und für die drei Kinder, die er nicht bei sich im Tessin haben wollte, eine Lösung zu finden. Lang schrieb, nachdem er sich auch mit Mia besprochen hatte, nach Montagnola zurück: „Es müsste ja doch ein leibhaftiger Herr Gott sein, der mit Frau Hesse etwas anfangen könnte. – In erster Linie kommt da Ihr Wohl, sie hat Sie genug gequält.“ (Hermann Hesse: Die dunkle und wilde Seite der Seele. Briefwechsel mit Josef Bernhard Lang, Hrsg. Thomas Feitknecht. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M., 2006. Eine Besprechung dieses Titels von Martin Stingelin trägt den Titel: „Freie Fahrt für freie Künstler – wie Hermann Hesse vor seinen Kindern und dem bürgerlichen Leben floh und welche Rolle sein Psychoanalytiker dabei spielte“). Die drei Hesse-Söhne wurden bei Freunden oder in Heimen untergebracht. Die Ehe der Hesses wurde 1923 geschieden. Aus dem Jahrbuch 2009 des Hegau-Geschichtsverein: „Maria Hesse-Bernoulli, Tochter aus gutem Hause in Basel, gebildet, klug und diszipliniert, hatte es nicht immer leicht, ihr Leben mit dem wenig gefühlsbetonten, spröden Einzelgänger Hermann Hesse zu gestalten. Die Arbeit in Haus und Garten und mit den drei Kindern überforderte sie oft. Zusehends vereinsamte sie, da ihr im abgelegenen Dorf kaum geistige Anregungen geboten werden konnten und sie oft lange Wochen allein für die Familie zu sorgen hatte.“
Mia Hesse zog nach der Auflösung des Berner Haushalts nach Ascona, wo sie an der Via Collinetta ihre „Casa Cedro“ bezog und mithilfe ihrer Söhne ausbaute. Die "Casa Cedro", ein Holzchalet in der Nachbarschaft von Lilly Volkarts Kinderheim, wurde von Mia Hesse-Bernoulli als Pension geführt – das Haus brannte um 1942 ab, Mia nahm Domizil in Bern, wo ihr Sohn Bruno lebte, und die Parzelle an der Collinetta wurde zum Preis von CHF 1.50 pro Quadratmeter weiterverkauft. Mia Hesse-Bernoulli verstarb in einem Berner Altersheim.