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mit Vater Hermann und Sohn Silver
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Heiner Hesse, Nachlassverwalter seines Vaters Hermann

1909-2003, geboren in Basel, gestorben in Ascona

In einer Pressemitteilung des Suhrkamp Verlages von April 2003 war zu lesen: "Unermüdlich im Dienst am Werk seines Vaters. Zum Tod von Heiner Hesse. Am 7. April ist Heiner Hesse, fünf Wochen nach Vollendung seines 94. Lebensjahres, in Arcegno bei Ascona gestorben. Er war der letzte noch lebende der drei Söhne des Dichters und Nobelpreisträgers Hermann Hesse (1877-1962), aus dessen Ehe mit der Basler Advokatentochter Maria, geb. Bernoulli (1868-1963). Am 1.3.1909 in Basel als zweiter Sohn seiner Eltern geboren, verbrachte Heiner Hesse seine frühe Kindheit am Bodensee, die Schulzeit in Bern und im Landschulheim Kefikon bei Frauenfeld bis zu seiner Matura 1926. Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule in Zürich arbeitete er bis in die sechziger Jahre als Dekorateur und gelegentlich auch als Buchillustrator in Zürich. Als Mitglied der "Roten Hilfe" engagierte er sich nicht nur während des Zweiten Weltkrieges für Emigranten und politisch Verfolgte, sondern lebenslang auch für lnstitutionen wie Longo Mai, Greenpeace und Amnesty International. Er war wohl der kritischste der drei Hesse-Söhne und sowohl physiognomisch wie in seinem Naturell dem Vater am ähnlichsten. Literarisch interessiert, übernahm er 1966 nach dem Tod von Hermann Hesses Frau Ninon die Verwaltung des literarischen und bildnerischen Nachlasses seines Vaters und erarbeitete für den Suhrkamp Verlag gemeinsam mit dessen Lektor und Hesse-Herausgeber Volker Michels zunächst die vierbändige Edition der "Gesammelten Briefe" seines Vaters. Heiner Hesses Verdienste um die Erschliessung der bis in die 70er Jahre hinein unübersehbar reichhaltigen Hinterlassenschaft des Dichters sind kaum zu unterschätzen und allenfalls mit dem Einsatz Erika Manns für ihren Vater zu vergleichen. Die letzten 35 Jahre seines Lebens, bis kurz vor seinem Tod, hat er in Zusammenarbeit mit dem Herausgeber nicht nur Zehntausende der in aller Welt verstreuten Briefe, Tausende der in 60 Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichten Buchbesprechungen und etwa 2000 Aquarelle seines Vaters ausfindig gemacht und der Öffentlichkeit erschlossen, sondern sich auch für die Realisierung der ersten Gesamtausgabe der Werke Hermann Hesses eingesetzt, die zur Zeit im Suhrkamp Verlag erscheint. Diese auf 20 Bände angelegte Edition wird mit etwa 14'000 Seiten doppelt so umfangreich ausfallen wie die früheren Werkausgaben. Ohne Heiner Hesses Unterstützung und beharrlichen Einsatz wäre die Renaissance der Werke seines Vaters, besonders diejenige, die sich in den letzten Jahrzehnten auch in Deutschland durchzusetzen vermochte, so nicht möglich gewesen. Allen spektakulären Auftritten abgeneigt, war seine Lebensführung ähnlich bescheiden und zurückgezogen wie die seines Vater. Nur gelegentlich unternahm er aus seiner Einsiedelei in einer Felsmulde im Tessiner Wald (wo er eine alte kleine Mühle bewohnte) längere Reisen in die Literaturarchive, zu den Briefpartnern seines Vaters, zu Siegfried Unseld, seinem Verleger in Frankfurt, oder zu Volker Michels, an dessen Aufbau eines Hesse-Editionsarchivs er sich beteiligte. Auch das Hesse-Museum in Montagnola, für dessen Zustandekommen er seit Anfang der neunziger Jahren gekämpft hatte, ist nicht zuletzt seinem ganz persönlichen Einsatz zu verdanken. So asketisch und abgeschieden Heiner Hesse lebte, empfing er doch täglich Besucher, Forscher und Übersetzer aus aller Welt und beantwortete bis zu seinem Lebensende unzählige Anfragen von Wissenschaftlern, Lesern, Schülern und Studenten aus aller Herren Länder mit einer Gewissenhaftigkeit, die der seines Vaters nicht nachstand. Bis zum letzten Tag bei vollem Bewusstsein, doch erschöpft und müde, starb er im Beisein seines jüngsten Sohnes einen plötzlichen und eigenen Tod. Heiner Hesse hinterlässt seine Frau, zwei Töchter, zwei Söhne und sechs Enkel. Die Funktionen Heiner Hesses als Vertreter der Nachkommen übernimmt nun sein ältester Sohn Silver." Hermann Hesse war der Mittlere der drei Gebrüder Hesse, nach Bruno und vor Martin geboren. Er war mit Isa Hesse-Rabinovitch verheiratet, sie trennten sich 1976. Seit 1977 wohnte Hesse im "Mulino del Brumo" ob Ascona, zwischen Arcegno und Ronco. Er stand auch in Kontakt mit Peter Riesterer, siehe unten.