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Eduard von der Heydt, 1926
Eduard von der Heydt, Bankier, Kunstsammler und Mäzen

1882-1964, geboren in Elberfeld, Deutschland, gestorben in Ascona

Der Baron stellt sich in seinem Buch "Auf dem Monte Verità" wie folgt vor: "Geboren 1882 in Wuppertal-Elberfeld, studierte in Genf und Freiburg i. Br. Nationalökonomie mit Abschluss als Dr. rer. pol. Arbeitete dann ein Jahr in einer New-Yorker Privatbank. Militärdienst bei den 3. Garde-Ulanen in Potsdam. 1909-1914 Bankier in London. Als Reserveoffizier an der Westfront 1914. Von 1915-1919 Legationsrat an der deutschen Gesandtschaft in Haag, Holland. 1920 Bankgründung in Amsterdam, mit Filiale in Berlin. Im Hause Heydt in Zandvoort, Holland, wohnte zeitweise der damals in Doorn lebende Kaiser Wilhelm II. - 1926 Erwerbung der Besitzung Monte Verità, Schweiz, die ursprünglich eine Naturmenschen-Kolonie gewesen war. - Seit der Jugend Kunstsammler, insbesondere ostasiatische Kunst. Schenkte diese Sammlung 1952 der Stadt Zürich, wo sie im Museum Rietberg untergebracht ist. Heydt hat 1937 die Schweizer Staatsbürgerschaft erworben, vorher war er Auslanddeutscher. - Dr. phil. honoris causa der Universität Zürich 1956. Ehrenbürger seiner Vaterstadt Wuppertal (Elberfeld). Mitglied oder Ehrenmitglied einer grossen Anzahl künstlerischer und wissenschaftlicher Vereine im In- und Ausland." 1926: "Als ich mit gespannter Aufmerksamkeit den Erzählungen der Frau von Werefkin lauschte und mit ihr über den Berg schritt,  war ich begeistert von der Schönheit und der einzigartigen Lage von Monte Verità. Die Hütten und Gebäude der früheren Naturmenschen standen zwar noch, aber sie befanden sich alle in einem verwahrlosten Zustand. Den Besitzern war das Geld ausgegangen, das sich selbst für das edelste System menschlichen Zusammenlebens als notwendiges Übel herausgestellt hatte. Ich dachte zunächst nicht im entferntesten daran, das Grundstück zu erwerben, weil ich in Holland wohnte und geschäftlich ausserordentlich in Anspruch genommen war ...". 1926 erhielt er vom Belgier Wiliam Werner, dem Besitzer, ein Kaufangebot von CHF 320'000 und stellte ein Gegenangebot über CHF 160'000: "Ich erhielt zu meiner Überraschung die telegrafische Nachricht, dass mein Angebot angenommen sei. So war ich zu meinem grossen Erstaunen plötzlich Besitzer des Monte Verità". Von der Heydt liess das Gelände arrondieren und ein Luxushotel im damals modernen Bauhausstil erbauen. Das "Inselmädchen" Ursula von Wiese berichtete über von der Heydt: "Ab und zu lud uns Emden (1929) zum Nachtessen auf den Monte Verità ein, wo er mit Verwunderung mit ansah, dass der Besitzer des Berges, Baron von der Heydt, mir den Hof machte. Ich mochte den Baron mit seinem Schellpumpengesicht nicht. Was für ein schlauer Fuchs sich hinter diesem nichtssagenden Gesicht verbarg, merkte ich nicht. Mit grossem Erstaunen las ich die Nachrufe nach seinem Tod, die seine Biographie enthüllten und ihn als genialen Finanzmann priesen. Ich hatte ihn für einen leeren Trottel gehalten, seinen banalen Reden nach zu urteilen, und ihn unsagbar langweilig gefunden. Der Heiratsantrag, den er mir machte, klang so prosaisch, war so fern allen Vibrierens, dass ich dazu neigte, ihn gar nicht ernst zu nehmen, und ihn überspielte. Später sagte er meinem Mann, er habe ihn tatsächlich ernst gemeint." Bis zum Zweiten Weltkrieg war seine Ausstellung ostasiatischer und westlicher Kunst eine international beachtete Attraktion: "Ascona, Montparnasse des Verbano". 1933-1938 war von der Heydt Mitglied der NSDAP. 1937 erwarb er die Schweizerische Staatsbürgerschaft. Aufgrund seiner Tätigkeiten als Privatbanquier zugunsten des Naziregimes, er bezahlte unter anderem die Agenten der deutschen Abwehr im Ausland, begann die Schweizer Justiz gegen ihn zu ermitteln. Er sass als 64jähriger drei Wochen in Untersuchungshaft, wurde aber mit einem fragwürdigen Freispruch eines Militärgerichts rehabilitiert. 1965 ging der Monte Verità aufgrund einer testamentarischen Verfügung von der Heydts in den Besitz des Kantons Tessin über, mit der Zweckbestimmung "ausschliesslich kulturelle und künstlerische Initiativen von erheblicher Bedeutung zu fördern". Er starb in seiner am See gelegenen "Casa Maya" in Ascona.