Leon Hirsch, Buchhändler, Verleger, Kabarettleiter

1886-1954, geboren in Berlin, gestorben in Bern

Angelo Conti Rossini - er unterstützte Leon Hirsch in seinem Schweizer Exil - schrieb in „Mein Buch“ über ihn: „Geboren in Berlin hat er dort 1904 seinen Verlag gegründet. Er veröffentlicht ein kleines Buch von Leo Tolstoi und theoretische sozialistische, anarchistische und antimilitärische Schriften. Sehr früh interessiert er sich für moderne Maler und handelt in seiner kleinen Buch- und Kunsthandlung ihre Werke: Baluschek, Dix, Grosz, Zille und weniger bekannt gewordene. Von 1929 bis 1933 leitet er in Berlin das politische Kabarett „Die Wespe“. () Als engagierter Antifaschist und Jude flüchtet er nach der Machtübernahme durch Hitler in die Schweiz. Zuerst nach Zürich, dann kam er nach Brissago. Arbeitserlaubnis erhielt er nicht, er lebte vom Erlös aus dem Verkauf einiger Gemälde und Zeichnungen und er nahm die Hilfe der Familie Conti Rossini dankbar an. „Wir waren gute Freunde geworden, unsere Beziehung war instinktiv. Leon war ein Mann äussester Konsequenz und ein echter Freidenker. Wenn er auch noch so arm war, zog er es doch vor, sich allein zurechtzufinden, und es war daher schwierig, ihm die Hand zu bieten. Das Wenige, das wir tun konnten, geschah im Verborgenen“. Erich Mühsam hatte während seiner Festungshaft seinem Freund und Verleger Hirsch neun handkolorierte Lithografien gefertigt. Wie durch ein Wunder konnte Hirsch diese in die Schweiz retten. 1936 gab er im Verbano-Verlag, Locarno, die Mappe „Erich Mühsam - Handzeichnungen und Gedichte“ als bibliophile Edition (Auflage 25 Exemplare) heraus. Diese wahrscheinlich bedeutendste Leustung Leon Hirsch’s im Exil fand kaum Widerhall. Einer der wenigen Käufer ist Ignazio Silone.“ Hirsch vermachte seinen Nachlass Angelo Conti Rossini. Wolfgang Schütte arbeitete Hirschs Erbe anfangs der 1980er Jahre auf. Er fand unter anderem Briefe und Ansichtskarten von Erich Mühsams Frau Zenzi, Else Lasker Schüler, Albert Ehrenstein und einige Manuskripte.