Jenny Hofmann, Mitbegründerin des Monte Verità

1863 geboren in Ottendorf, Deutschland

Schwester von Ida Hofmann und Mitbegründerin der "vegetabilischen Cooperative" auf dem Monte Verità, zusammen mit ihrer Schwester, Henry Oedenkoven, Lotte Hattemer und den Brüdern Gusto und Karl Gräser. Sie lebte in "freier Ehe" mit Karl Gräser ein "radikal konsequentes Leben ohne Geld" was die beiden jedoch praktisch nie vollständig haben vollziehen können. Käthe Kruse schrieb über Jenny Hofmann: „Gräsers Gefährtin, älter als er, trug um das farblos blonde Har ein farbloses Stirnband und zeigte sich nur in selbstgewebten Kleidern und groben Schuhen. Sie war in Wien Sängerin gewesen. Ein Schatten der Tragik lag über dieser Frau. Durch die harte körperliche Arbeit, die sie leistete, war die Möglichkeit der Mutterschaft in ihr zerstört. Das konnte und wollte sie nicht begreifen und nährte in sich eine unsinnige Hoffnung. Bei unserem Zusammentreffen setzte sie mir auseinander, es müsse möglich sein, ein Kind zu bekommen, wenn man es nur richtig zu wünschen vermöge - ein Kind, rein vom Himmel oder ganz aus sich selbst heraus!“ Jakob Flach berichtete von folgender Begegnung aus dem Jahr 1915: "Bei der Post von Locarno ragten noch die zwei mächtigen Zedern und verdeckten die grosse Uhr an der Fassade; das war Sinnbild und Wahrzeichen jener Zeit: die hastig tickende, ruhelose Uhr, verdeckt vom Lebensbaum, vom tausendjährigen Mammutbaum... und auf den Stufen vor dem Café Scheurer hockte, als ich zum Bahnhof radelte, in griechischem Gewand, mit Goldreif im Haar und blossen Füssen, Frau Gräser vom Monte Verità und säugte öffentlich ihr Jüngstes, umringt von ihren übrigen blonden, halbnackten Nachkommen und einer Schar grinsender Rekruten, die hier das wahre, gottgewollte Leben der Naturmenschen vorgeführt bekamen!" Jenny Hofmann soll im Irrenhaus gestorben sein.