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Rico Hugel, Musiker und Malermeister

Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 29/6, vom 24. August 1957, Asconeser-Künstler, von Otto Bachmann: „Im vergangenen Frühjahr sass ich mit Rico Hugel in einer hübschen Trattoria zu Florenz. Wir hatten gut gegessen und der Wein war auch gut! Im träumte vor mich hin und dachte an das Frühlingsbild von Botticelli. Rico horchte aufmerksam auf die beschwingte, volkstümliche Musik der kleinen Kapelle in der Trattoria. Wenn die Musiker eine Pause einschalteten, kritzelte Rico hin und wieder etwas auf die Rückseite der Menu-Karte. – Zuerst achtete ich nicht darauf. Doch als Rico mit einem verschmitzten Lächeln aufstand und zu den Musikern hinüberging, ihnen das Blatt überreichte und erläuterte, war mir klar, dass er so einfach mir nichts dir nichts, ein Stück komponiert hatte. – Die Musiker interpretierten die Notenschrift zu einem schwungvollen Tessinerwalzer, wobei Rico den Klavierpart übernahm. Mit beglücktem Staunen über das Gewordene, welches so kurz vorher nicht war, hörte ich zu. Der Walzer fand herzlichen Beifall bei den Gästen und selbstverständlich auch bei den Musikern, die ihrerseits ebenso erstaunt waren, denn so etwas kommt nicht alle Tage vor. – Natürlich mag der Zauber der „steinernen Blume“ – Florenz – nur Leichtigkeit des musischen Wirkens beigetragen haben, aber sicher ist, dass Rico Hugel einer musikalischen Familie entstammend, seine Gabe schon von Kindheit an hatte.  Schon als kleiner Bube von sieben Jahren, lernte er mit Hilfe von Vaters feinem Gehör auf der Gitarre. Das Mandolinenspiel erlernte er ohne Stunden zu nehmen und als Schüler mit zwölf Jahren lief er während den Schulpausen ins alte Caffè Sport, welches damals noch dort stand, wo sich jetzt der „Bunte Laden“ Guido Pancaldi’s befindet und übte heimlich auf dem Klavier.
Rico wollte Stunden nehmen, aber die Verhältnisse einer kinderreichen Familie, die viel kostete, erlaubten diese Ausgaben nicht. Er fügte sich und machte die Lehre bei einem Malermeister. Und er erlangte auch in diesem Beruf durch seine Tüchtigkeit eine Stellung, die ihm den Aufbau eines eigenen Geschäftes ermöglichte. Doch bevor es soweit war, wollte er dennoch den Beruf eines Musikers auskosten. Im Jahre 1937 gründete er mit einigen seiner Tessinerfreunde eine Kapelle, die schnell reüssierte, denn die Tessiner sind im Allgemeinen sehr musikalisch. Später, während des Krieges, spielte er auch mit Franzosen und Italienern zusammen und fast immer wurden seine eigenen Kompositionen gespielt. Seine Lieder und Walzer wurden überall bekannt und geliebt. Und ein staunenswerter Beweis seines absoluten Gehörs und musikalischen Gedächtnisses war, dass er damals noch gar nicht Noten lesen konnte. Es war ihm allerdings lästig, dass andere die Musik, die ihm einfiel, aufschreiben mussten und so machte er sich daran, auch diese Lücke zu schliessen. Innerhalb kurzer Zeit konnte Rico seine Musik selber setzen. Rico Hugel hat ungefähr sechzig Lieder komponiert, viele davon sind auch mit eigenen Texten versehen. Einige Lieder sind so bekannt, dass man sie von Kindern auf der Strasse pfeifen hört - ! Heute ist Rico durch die Inanspruchnahme seines Malergeschäftes selten abkömmlich. Glückliche Zuhörer könne ihm sogar heute noch in irgendeinem Lokal Asconas begegnen und seine neusten Werke geniessen. In der Antica Osteria Vacchini, im Grotto Chiodi, oder im Hof des Centrale zieht es ihn dann doch wieder hie und da hin, wo ihn das „Ambiente“ inspiriert seine neuesten Lieder zur Freude der Gäste darzubringen!“