1885 An der Piazza in Ascona werden die Platanen gepflanzt.

Ferien-Journal Nr. 91/5, vom 31. Juli 1965, von L.P.: „Haben jene Asconese, welche im Jahr 1885 ihrem Heimatort Ascona 47 Platanen aus Frankreich mitbrachten, wohl geahnt, welche Entwicklung ihr Dörfchen mit der einmaligen Piazza nehmen würde? Wohl kaum! Und doch, was wäre die Piazza heute ohne ihren schattenspendenden Platanenschmuck.
Vor unzähligen Jahren hatte der damalige Gemeindepolizist „Guscett“, wie er allgemein genannt wurde, auch die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die jungen Platanenpflänzchen von den Schulbuben regelmässig und sorgfältig mit Seewasser begossen wurden. Niemals ber hätte er es sich träumen lassen dass ein knappes Jahrhundert nach ihm im Schatten „seiner“ Platanen lack- und chromglänzende Vehikel, von wie steife Soldaten dastehenden, zehnrappenschluckenden Parkingmetern bewacht, Schutz vor den sengenden Sonnenstrahlen suchen würden.
Damals ja, als die nach Frankreich ausgewanderten Asconesen mit ihrem Geschenk der 47 Platanen dem Bürgermeister Tiberio Pasini gleichzeitig die Aufsicht über die jungen Pflänzchen anvertrauten, hatte man noch Zeit genug, sich dieser Aufgabe zu widmen.
Vor einiger Zeit aber, wurden die Platanen, die Zierde der Piazza von Parasiten und einer gefährlichen Krankheit befallen, sodass die Bäume im vergangenen Jahr radikal zurückgeschnitten werden mussten. Heute scheint jedoch die akute Gefahr wieder eingedämmt zu sein.
Siebenundzwanzig Platanen säumen die Piazza auf ihrer Seeseite und überdachen mit ihren weiten, belaubten Kronen den Uferweg und die zahlreichen Ruhebänklein, zwanzig weitre zieren die Seeterrasse vor dem Municpio. Alle 47 Platanen aber spenden den unter ihren grünen Dächern parkierten Autos willkommen Schatten.
Ursprünglich standen alle diese Bäume viel tiefer. Als dann die Ufermauer errichtet und die ganze Piazza gehoben wurde, reichten sie nur noch wenige Meter über das holprige Pflaster hinaus.
Nackt und kahl müsste uns heute die Piazza erscheinen, wenn sie nicht vom üppig grünenden Blätterkleid der ehrwürdigen Platanen geziert würde. Leise rauschend stehen sie, Zeugen aus Asconas vergangenen Tage, als stille Beobachter an unserer beliebten Piazza. Sie haben jeweils die wackere Asconesen auswandern sehen und heute werden sie wohl darüber staunen, dass das Ausland nach Ascona kommt.“