1908 Die "Tessiner Zeitung" erscheint.

In der Extra-Ausgabe zum 100jährigen Jubiläum des Blattes schrieb Francesco Welti von der "Tessiner Zeitung" unter dem Titel "Unikum mit langem Atem" (Auszüge): "Vor hundert Jahren erschien die erste Ausgabe der "Tessiner Zeitung": Das deutschsprachige Unikum blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück und bringt es heute auf eine Auflage von 8'600 Exemplaren. Die Zeitung kann auf ein treues Publikum zählen. Es besteht etwa zu gleichen Teilen aus Zuzügern - vor allem aus der Deutschschweiz - sowie Zweitheimbesitzern, zu denen sich während der Saison Feriengäste gesellen. Diese Zusammensetzung ist relativ neu, denn erst 1994 entdeckte die TZ die nicht ständig im Tessin lebenden Personen richtig als Zielgruppe. Die Auflage verdoppelte sich nahezu und erreichte 1998 mit 10'207 Exemplaren den Höchststand in der 100jährigen Geschichte. Als die Zeitung 1908 in Locarno gegründet wurde, stand der Schweizer Tourismus in seiner ersten Blüte. Die Gotthardbahn ermöglichte es, auf schnelle und bequeme Weise die Sehnsucht nach dem Süden zu stillen. Rund 6'000 Deutschschweizer wohnten im Südkanton, viele hatten Stellen bei der Bahn. Den Chefs der damals privaten Gotthardbahn wurde daher vorgeworfen, Tessiner zu benachteiligen; ihre Wut darüber liessen die lokalen Blätter gerne an der deutschsprachigen TZ aus. Den Ersten Weltkrieg überlebte das Blatt, musste Ende 1919 aber sein Erscheinen vorübergehend einstellen. Der Berner Schriftsteller und Journalist Hermann Aellen (er war, zusammen mit Alexander de Beauclair bereits bei der Gründung von 1908 massgeblich beteiligt) lancierte es als "Südschweiz" 1921 neu. 1923 verkaufte er die Zeitung an eine Redaktionskollegen, 1926 ging sie an die Buch- und Kunstdruckerei Richterswil. In der folgenden Phase des Nationalsozialismus forderten Extremisten auf der einen Seite den Anschluss des Tessins an Italien. Auf der anderen Seite fanden Artikel den Weg in die TZ, die das Deutschtum propagierten - bis der Verleger durchgriff. 1967 gelangte die Zeitung in den Besitz der Familie Rezzonico in Locarno, ihr gehört sie bis heute. 2006 wurden die Weichen für die Zukunft gestellt: Aus dem dreimal wöchentlich erscheinenden Blatt wurde eine Wochenzeitung mit einem Mix aus Hintergrundberichten, Regionalnachrichten sowie einem grossen Veranstaltungs- und Kulturteil. Gleichzeitig bekam das Blatt eine neue Grafik. Auch handfeste wirtschaftliche Gründe standen hinter der Umstellung, denn vor drei Jahren drohte der TZ das Aus. Zwar ist die TZ im Tessin konkurrenzlos und verfügt als weiteren Trumpf über eine treue, überdurchschnittlich gut situierte Leserschaft. Aber fast zwei Drittel der Abonnenten sind älter als sechzig. Verleger Rezzonico glaubt dennoch an ihre Zukunft. Viele der über 20'000 Deutschsprachigen im Tessin halten ihr die Treue. Einen Schub erhofft er sich zudem - wieder - von der Bahn: Wenn das Tessin dank der Neat dereinst nur noch etwas mehr als eine Stunde vom Raum Zürich entfernt sein wird, dürfte das neue Zuzüger bringen." www.tessinerzeitung.ch