verbrennung

1933 In Deutschland werden Bücher verbrannt.

Das Naziregime forderte per Rundschreiben vom 6. Mai 1993 Bürger und Buchhändler auf, die auf der "schwarzen Liste" geführten Werke zu entfernen, "damit diese am 10. Mai auf dem  Berliner Opernplatz öffentlich verbrannt werden können". Auf dieser "schwarzen Liste" befanden sich, unter Dutzenden von anderen, die Namen Bertold Brecht, Leonhard Frank, Freud, Hemingway, Emil Ludwig, Erich Kästner, Kurt Kläber, Thomas Mann, Mehring, Robert Neumann, Plievier, Regler, Remarque, Tetzner, Toller und Tucholsky. Namen von Menschen, deren Leben mit dem Tessin verbunden waren. Bei der Bücherverbrennung handelte sich um eine nationalsozialistische "Aktion wider den undeutschen Geist". Die Aktion fand gleichzeitig in 22 deutschen Städten statt.
Emil Ludwig hörte sich in seiner "Villa Ludwig" in Moscia, zusammen mit Erich Maria Remarque, die Radioübertragung zur Bücherverbrennung an.
Erich Kästner sah sich mit an, wie seine Bücher auf dem Berliner Opernplatz ins Feuer geworfen wurden. 1958 erinnerte er in einer Rede an die Zeit der Bücherverbrennung: "Der Feldmarschall und Reichspräsident kapitulierte in der Potsdamer Garnisonskirche. Das geschah am 21. März. Zwei Tage später kapituierten, mit Ausnahme der Sozialdemokraten, die Parteien in der Krolloper. Eine Woche später wurden die Länder "gleichgeschaltet". Am 1. April wurde der Judenboykott inszeniert. Er war eine missglückte Inszenierung, und man setzte das blutige Stück vorübergehend vom Spielplan ab. Am 7. April wurden die Gauleiter als Reichsstatthalter herausstaffiert. Am 2. Mai wurden die Gewerkschaften aufgelöst ... Am 10 Mai brauchte man wieder Feuer. Für die Bücher."
Am Tag, als seine Werke im Mai 1933 "dem deutschen Geist" zum Opfer fielen, schrieb Ernst Toller, damals „Zentralvorsitzender der Münchner Räterrepublik: „Wer den Zusammenbruch von 1933 begreifen will, der muss noch einmal auf die ersten Jahre nach dem 1. Weltkrieg zurückkommen, auf die Jahre 1918/19. War das wirklich ein Neuanfang, nach der unermesslichen Zerstörung? Hatten die Menschen aus den Leiden und Opfern des 1. Weltkrieges und aus der Niederlage wirklich gelernt? Hatten sie Sinn und Verpflichtung jener Zeit begriffen? Die Revolutionäre, die über Thesen und Parolen den Willen des Menschen und seine Entscheidung vergassen. Die Gewerkschaftsfunktionäre, die über gefüllten Kassen die wachsende Gewalt des Gegners nicht sahen, der sie jetzt mitsamt ihren Kassen fortfegen sollte. Die Republikaner, die die Republik ihren Feinden auslieferten. Die Realpolitiker, die die grossen Impulse des Menschen, die Sehnsucht nach Freiheit, nach Gerechtigkeit, nach Schönheit über ihren Buchführungen aus den Augen verloren. Die Schriftsteller, die ein verstiegenes Bild des kämpfenden Arbeiters schufen und verzagten, wenn sie dem wirklichen Arbeiter begegneten, mit seiner Schwäche und seiner Stärke, seiner Kleinheit und seiner Grösse. Nein, in all den Jahren bis heute haben sie nichts gelernt, alles vergessen und nichts gelernt. Wieder haben sie versagt, wieder sind sie gestrandet, wurden gestäut und geschunden. Sie haben das Volk vertröstet von Tag zu Tag, von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr, bis es, müde der Vertröstungen, Trost in der Trostlosigkeit suchte. Die Barbarei triumphiert, Nationalismus und Rassenhass blenden die Augen, die Sinne, die Herzen.“