1937 Das Marionettentheater von Ascona.

Zitat aus dem Katalog zur "Mostra retrospettiva" von Werner J. Müller: "Als Jakob Flach mit Mischa Epper und Pauli das Marionettentheater gründete, war auch Werner Müller mit dabei. Zu Beginn, 1937, spielte man im malerischen Hof der Casa Cristoforo, hinter dem heutigen Hotel Porto, später bot sich der ehemalige Pferdestall des Castello dei Ghiriglioni als idealer Theaterraum. Für dieses so bewährte Theater hat Müller wunderschöne Marionetten geschnitzt, und hielt ihm die Treue bis zu seiner Auflösung. Viele andere Künstler beteiligten sich an diesem Werk: Dichter , Schriftsteller, Musiker (Rolf Liebermann war auch dabei), und eine ganze Reihe von Malern (Epper, Seewald, Dravinghausen, Henninger, Roelly), und Weidemeyer schenkte während 25 Jahren den Figuren seine Stimme oder sein Flötenspiel in den Pausen. Es war ein Vierteljahrhundert voll des schöpferischen beglückenden Tuns, wahrscheinlich die gelungenste und originellste künstlerische Periode, in welcher jedoch - wohl hauptsächlich durch die sprachliche Barriere - die Tessiner ausserhalb standen." Efrem Beretta, 1980.

Aus dem "Ferien-Journal" Nr. 31/8, vom 28. September 1957: „Im Septemberheft der Schweizerischen Theaterzeitung schreibt Jakob Bührer: In dem neuen Spiel „Institut Lebensglück“ von Jakob Flach geht es um den Betrieb eines Heiratsvermittlungsbüros, das mit dem wildesten Spuk arbeitet und an der Liebe Geld verdient. Indem so aus dem Alltag ein Motiv herausgegriffen und in die kleine Puppenwelt hineingestellt wird, kommt der Schwindel, der bei diesem Geschäft in Schwung ist, an den Tag und das Spiel wird trotz oder dank der Verzerrung ins Groteskkomische typisch für die ganze heutige Gesellschaft. Wir merken und erkennen es lachend und entzückt. Auf die reizvollste Weise erfüllt so die kleine Bühne die Aufgabe des grossen Theaters: - sie hält uns den Spiegel vor - ! Doch wessen bedarf es, bis das erreicht wird! Vorab das Stück! Mehr noch als die Theaterkomödie verlangt es Handlung! Handlung! Handlung! Eine, die den beschränkten Möglichkeiten der draht gelenkten Puppen angepasst ist und zugleich die Verblüffungen, die die Marionettenbühne zulässt, ausnützt! Und dann noch muss diese Handlung im Letzten „wahr“ sein. Denn mit leerem Geflunker ist auch bei der kleinen Tribüne nichts zu wollen. So ist es denn ein grosses Lob, wenn man sagen darf, Flach’s neues Stück erfüllt alle diese Anforderungen in hohem Mass. Es gibt die Voraussetzung für eine glückliche Inszenierung. Deren Gelingen hängt von gar vielen Faktoren ab. Vorab die Figurinen, die entzückend gekleidet sind. Wichtiger noch die Köpfe der Puppen. Flach hat sie selber geschnitzt. Es gibt in dieser Aufführung Augenblicke, da diese Puppen „lebendiger“, eindrücklicher wirken als Schauspieler, trotz, vielleicht wegen ihren unbeweglichen Gesichtern, werden sie zuweilen geistiger, charakteristischer als menschliche Mimik vermag. – Diese Wirkung wird indessen nicht nur durch den raffiniert geschnittenen Puppenkopf erreicht, sondern es bedarf dazu der sehr geschickten Führung der Puppen an den Drähten. Darin haben die unsichtbaren Mitarbeiterinnen eine erstaunliche Fähigkeit erlangt, dass man völlig vergisst, dass einem da etwas vorgezaubert wird, und dass man sich ganz in diese kleine Welt versetzt fühlt, bringt nur die vollständig harmonische Zusammenarbeit von Führerinnen und Sprechern. Wie sich die Puppe bewegt und was sie sagt und wie sie es sagt das muss „stimmen“!“