1945 Operation Sunrise, Weltpolitik im Dorf

Operation Sunrise war der Deckname geheimer Gespräche, die zu einem vorzeitigen Ende des Zweiten Weltkriegs in Italien führten. Ab 1942 wirkte Allen Dulles, der spätere Chef der amerikanischen CIA, als Geheimagent in der Schweiz. Sein Auftrag war es, Möglichkeiten von Teilkapitulationen deutscher Wehrmachts-Verbände auszuloten mit dem Ziel, weiteres, sinnloses Blutvergiessen zu verhindern. Einer seiner Mitarbeiter war Gero von Schulze-Gaevernitz, amerikanischer Staatbürger deutscher Herkunft. Sein Schwager, Edmund H. Stinnes, war unter anderem Eigentümer des Seehauses Signor in Croce, das heute als Restaurant La Casetta zum Hotel Eden Roc gehört und einer Villa an der Via Signor in Croce. Das Seehaus war einst im Besitz von Baron Ferdinand von Wrangell. Im Februar 1945 zeigte sich ein Ansatz, denn die Geheimdiplomatie brachte hervor, dass SS-General Karl Wolff, Bevollmächtigter der Wehrmacht für das Frontgebiet in Italien, für eine Kapitulation bereit war. Aus dieser Konstellation ergab sich, auch unter Mitwirkung des Schweizer Geheimdienstes, ein erstes Treffen der Kriegsparteien auf neutralem Boden – in Ascona. Es war das erste Mal, dass während den Kriegsjahren deutsche Wehrmachtsgeneräle Schweizer Boden betraten. Beide Parteien wurden in getrennten Häusern untergebracht. Die Repräsentanten der Alliierten wohnten in der Villa Stinnes an der Via Signor in Croce, dort, wo heute noch das rote Pförtnerhaus mit einer Capellina mit dem Gekreuzigten steht. Alle anderen Teilnehmer des Treffens bezogen, selbstverständlich unter falschen Namen, in Ascona Hotelzimmer. Am 19. März 1945 um 12.30 Uhr begannen im Stinnes’ Seehaus, der Casa Signor in Croce, die Verhandlungen. Man einigte sich über die Grundsätze einer Kapitulation der Achsenmächte in Italien und das weitere Vorgehen. Nach kurzer Zeit, am 2. Mai 1945, schwiegen die Waffen an der Italien-Front.
An der Via Signor in Croce lebten auch Aline Valangin, Schriftstellerin, und der Mystiker Karl Kerényi.