1983 Zwischenbericht aus Brissago, Angelo Conti Rossini.

Die Klage der Ottavi-Mauer, ein Gedicht von Angelo Conti Rossini zu Weihnachten 1983: "Ich bin die Ottavi-Mauer und trag' auf meinem Buckel viele Jahre. Die äuser, die ich stütze, sind die meines Dorfes - der Marcionni, der Otei, Focchetti, Baltecchi und der Sarte und das der alten Boren. Viel Volk hab' ich gesehen, seine Schritte gehört. Alle sind auf mir herumgetrampelt, Leute, Esel, Pferde und Wagen, Hund und Katz, Kinder und Greise, feine Herren und arme Teufel, Pfaffen und Freimaurer, sogar der Bundesrat, Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen, Prozessionen, Fastnachtsumzüge - Sachen zum Weinen und Sachen zum Lachen. Einst hatt' ich ein Geländer, das hat man mir zerstört. Asphalt ist heut modern und hindert Frauen am Stolpern. Um mich vor der Sonne zu schützen, haben sie Bäume gepflanzt. Aber ehe es mich so sehen musste, mein armes Dorf, hatte ich ein Vis-à-vis wie ein Millionär, das Haus vom Pata Seca, den Garten Ercolinos, die Zitronen und Orangen des Cecc, das alte Zentral von Marcionni, die Mauer des Herrn Coronel. Schau ich hinab, so muss ich weinen ob all dem Zement, Beton, Glas und Stahl. Mir ist's zum Kotzen! S'gibt was für jeden Geschmack. Möcht' ich etwas Schönes sehen, muss ich aufwärts blicken. Der Himmel wenigstens, ist noch heiter, doch machen wir so weiter, gelingt es uns, auch den kaputt zu machen."
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