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Ettore Jelmorini, Steinhauer und Mineur

1909-1968, geboren und gestorben in Intragna

Sohn einer Steinhauerfamilie. Die Jugend verbrachte er im Val Vigezzo, wo sein Vater von 1920-1930 am Bau des Sanktuariums der „Madonna di Rè“ mitarbeitete. Rückkehr ins Tessin, wo Jelmorini in den Steinbrüchen im Maggia- und Verzascatal tätig war. Erste Skulpturen. 1943 Heirat mit Dina Turri, zwei Kinder. Die Ausstellung „Tessiner Handwerk“ in Locarno machte ihn 1958 bekannt. 1961 schrieb Piero Bianconi einen Text über Jelmorini. www.sculture.ch
Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 97/3, vom 18. Juni 1966, Künstler im Tessin, Ettore Jelmorini, Intragna, von Lars Pfenninger: „Der Bildhauer Ettore Jelmorini aus Intragna ist einer der Stillen im Land, einer der keine andere Triebfeder für seine Arbeit kennt, als die Liebe zum schöpferischen Gestalten und eine besondere Liebe zu seinem Material, dem heimatlichen Granit. Seine Inspirationen kommen ihm gleichsam aus dem Stein entgegen. Jelmorini ist einer der natur- und heimatverbundesten Künstler unseres Landes. Im Sommer arbeitet er auf seiner von den Vätern ererbten Scholle, die er mit viel Liebe und Geschick bebaut und die ihm und seiner Familie ein bescheidenes Auskommen sichert. Wenn aber im Spätherbst die Schatten ihre dunklen Vorhänge nicht mehr von Intragna wegheben und die ganze Landschaft in Winterschlaf versinkt, dann wir aus dem Landmann der Bildhauer, dann klingt das Singen von Hammer und Meissel aus dem kleinen Raum, der ihm als Atelier dient. Bescheiden wie ihr Schöpfer sind auch die Werke, die da unter den geschickten Händen Ettores entstehen. Sie erheben nicht den Anspruch an internationalen Ausstellungen gezeigt zu werden oder für viele Tausender den Besitzer zu wechseln, aber sie sind wie das Tessiner-Volkslied, harmonisch, echt und heimatverbunden. Sie zeugen vom einfachen Leben, dessen Pfeiler Natur, Arbeit und Glaube sind. Jelmorini lässt dem Material seine natürliche Schönheit, seine ihm von der Natur gegebene Form, so wie der Schnitzer manchmal einer gefundenen Wurzel oder einem bizarr geformten Stück Holz mit wenigen sicheren Schnitten, nicht eine neue Gestalt gibt, sondern die ursprüngliche hervorhebt, um sie auch den weniger geübten Augen sichtbar zu machen. Nur ein Kenner des Materials und seiner Eigenschaften kann sich an eine solche Aufgabe machen.
Jelmorini ist unbestritten ein Kenner des Granits. Nicht selten wird er für Expertisen zugezogen. Sein Wort und seine Erfahrung gilt selbst dem geschulten und erfahrenen Ingenieur etwas und schon mehr als ein Unglück ist durch Befolgung seiner Ratschläge vermieden worden. Es liegt jedoch seinem von Natur aus bescheidenen Charakter fern, sich in die ersten Linien zu drängen, aber wenn er gerufen wird, ist er da und weiss in einfachen Worten seine Meinung auszudrücken.  Solche einfache Worte, für alle verständlich, allen lieb sind auch seine bildhauerischen Schöpfungen. Sie sind für stille Plätzchen gedacht, wo sie erfreuen und wo sie einem fehlen würden, wenn sie plötzlich nicht mehr da wären. Denken wir an den Hof des Hauses der Associazione Artisti Ascona, wie müsste er aussehen, wenn die kleinen Steinfiguren Jelmorinis den romantischen Patio nicht mehr beleben würden. Solche Zeugen ehrlicher Gesinnung, einfachen Geistes und handwerklichen Können verdienen ihren Platz ebenso gut wie die grossen, epochenmachenden Kreationen einer leider vielfach künstlich aufgepulsterten Kunst, welche schlussendlich nur noch mit den Massstäben des pekuniären Erfolges gemessen wird.  Dass der künstlerische Ausdruck eines Ettore Jelmorini noch immer verstanden wird, zeigt die Tatsche, dass jenseits des Gotthards die Nachfrage nach seinen Schöpfungen steigt. Sie werden im Lauf dieses Jahres an verschiedenen Orten der Schweiz zu sehen sein und wir bezweifeln nicht, dass ihnen eine wohlwollende Beachtung zuteil werden wird. Ettore Jelmorini wird weiterhin in den Flussbetten und Steinbrüchen das Material zusammensuchen, an welchem die Natur bereits gearbeitet hat. Mit Meissel und Hammer setzt er diese Arbeit fort und gestaltet sie auf seine Weise.“