Rico Jenny
Rico Jenny, Musiker, Musikpädagoge und Fotograf

1896-1961, geboren in Basel, gestorben in Tegna

Jenny besuchte die Grundschule in Arosa. Nach der Rückkehr der Familie nach Basel Besuch des Gymnasiums, Matura und anschliessendes Studium der Musik und Kunstgeschichte. Er arbeitete als Musiklehrer und machte sich einen Namen als Sänger und Lautenspieler. Erste Tessinreise 1920 nach Ascona. Ab 1930 war er als selbständiger Fotograf tätig und eröffnete mit seiner Frau Bettina Walter ein Fotogeschäft an der Bahnhofstrasse in Zürich. Nach der Scheidung von Bettina 1943 heiratete er 1944 die Irländerin Ena Merz, das Paar hatte zwei Kinder. Wohnsitzwechsel nach Tegna im Jahr 1947. Sein „Ländliche Madonnen im Tessin“ mit Text von Jo Mihaly erschien 1958. Im gleichen Jahr erschien Mihalys „Bedenke Mensch“ mit Fotografien von Jenny. Jenny starb an den Folgen eines Herzinfarkts. Sein Archiv ist im Regionalmuseum des Centovalli und Pedemonte in Intragna untergebracht. 
Aus DIE ZEIT, 06.03.1959, Nr. 10, von Max Brod: „Dorngestrüpp und Brombeergerank verdeckten nicht selten die Kapellenwand und waren erst herunterzuschneiden, ehe das Fresko sich dem Blick offenbarte — so beschreibt die Dichterin Jo Mihaly die Arbeit, die sie mit dem spürsinnigen Photographen Rico Jenny im Tessin geleistet hat, um alte verwitternde Volkskunst zu retten. An Kirchen, Friedhofsmauern, Beinhäusern haben einfache Maler aus dem Bauerntum ihre Phantasie das Phänomen des Todes umkreisen lassen und aus Farben, die jetzt fast verblichen sind, Totentanz-Gruppen hervorgezaubert — auch allegorische Darstellungen, in denen der Tod als Fischer mit dem Netz, als Jäger mit Pfeil und Bogen seine Beute heimbringt oder als müder König über seiner Arbeit eingeschlafen ist. Manche dieser merkwürdigen Bildwerke sind von Magie und Grausen umgeben, doch die Mehrzahl müht sich um eine versöhnliche Darstellung des Sterbens, nicht ohne Anklang an antike Motive. Es verdient Beachtung, dass in diesem schönen südlichen Teil der Schweiz eine der Bildinschriften einen Halbvers des Horaz bringt: „Non omnis moriar" („Nicht gänzlich werde ich sterben") – wozu der andere Halbvers zu ergänzen ist: „Und ein beträchtlicher Teil meines Ich wird der Libitina, der Todesgöttin, entschlüpfen." So lebendig ist die griechisch-altrömische Tradition in diesem romanischen Sonnenland geblieben. Es herrscht der Klang dieser Versöhnlichkeit, zu dem das allgemein humane Element des Verzeihens hinzutritt; beides zusammen konstituiert den Goldgrund, von dem sich ein Gedichtbuch sehr eigenartiger, sehr melodiöser Gebilde abhebt: Jo Mihaly: „Bedenke, Mensch"; mit 25 Photographien barocker Darstellungen des Todes; Gemsberg Verlag, Winterthur; 78 S., 6,.80 DM. Mit den Photos bilden die Gedichte ein Ganzes, das in seiner schlichten Gelassenheit an Schuberts Lied „Der Tod und das Mädchen", an die "Worte von Claudius gemahnt. Die Wortkunst von Frau Mihaly ist sehr selbständig und eigenwillig, sie spriesst aus volkstümlichem und mittelhochdeutschem Sprachgefühl hervor; am ehesten liesse sie sich mit Borchardts „Durant" und Hofmannsthals „Jedermann" vergleichen. Zu Hofmannsthal steht die Dichterin auch vom Thema des Todes und des leichtsinnigen Sünders her in gutgeschwisterlicher Beziehung. Doch völlig neue Töne schlägt sie an, wenn sie eine Frau in Liebesverzweiflung schildert und dem Tod Worte des Trostes des Wiederauflebens und Mitleids in den Mund legt: Die Liebe soll im Licht von viel Erbarmen stehn — muss doch die Blume auch ohn Schutz im Wind vergehn. In den dramatischen Szenen, die einander ohne Schwere locker folgen, und in den glühend farbenreichen Landschaftsschilderungen erkennt man beglückt einen Geist, der aus eigenem und zutiefst Weiblichem Schöpfungslust und Schöpfungspein von neuem zu erleiden vermag.