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Fitz Jordi, Drucker und Anarchist

1885-1938, geboren in Belp, gestorben in Fontana Martina

Arbeitete in der väterlichen Druckerei in Belp. Fritz Jordi betrieb in Biel eine kleine Druckerei und verlegte eine eigene Zeitung: das "Arbeiter-Blatt". Jordi nannte sie "offizielles Publikationsorgan der sozialdemokratischen Partei und der Arbeiter-Union Biel", tatsächlich wurde die Zeitung zur Basis einer sozialdemokratischen Parteipresse. Nach dem Landesstreik 1918 stellte Jordi seine Zeitung der jungen kommunistischen Bewegung zur Verfügung. Sie erschien nun unter dem Titel "Bieler Vorwärts". 1921 lernte er in Worpswede Heinrich Vogeler in dessen Arbeitsschule und Landkommune "Barkenhoff" kennen, der Beginn einer lebenslangen Freundschaft. Auch 1921 nahm Jordi als Schweizer Delegierter am 3. Weltkongress der Kommunisten teil. Mitte der 1920er Jahre zog er sich, enttäuscht von den Entwicklungen in der Sowjetunion und der Arbeiterbewegung überhaupt, mit seiner Familie ins Tessin zurück. Dort kaufte er 1928 für CHF 18'000 den Weiler Fontana Martina, ein ursprünglicher Ortsteil von Ronco s/Ascona, und gründete eine Künstlerkolonie: "Die Hälfte des Tages sollte körperlich gearbeitet, die andere Hälfte künstlerischen Tätigkeiten nachgegangen werden."  1928 und 1929 hielt sich Heinrich Vogeler bei Fritz Jordi in Fontana Martina auf, es wurden Kommunenpläne geschmiedet. Jordi gab zusammen mit Heinrich Vogeler eine antifaschistische Kulturzeitschrift heraus: 1931-1932 "Fontana Martina, Halbmonatsschrift". Unter den Künstlern, die hier eine Zeitlang arbeiteten und Fontana Martina später wieder verliessen, waren die Schriftsteller Ignazio Silone und Gustav Regler und Else Lasker-Schüler. Auch der in Verscio lebende Jakob Bührer und Paul Klee kamen auf kurze Zeit hierher und der Maler Ernst Geiger kam mit seinem jungen Neffen Max Bill. Der Grafiker und Maler Eugen Früh verbrachte mit seiner zukünftigen Frau Erna den Sommer 1932 in Fontana Martina. Das Experiment der Kolonie scheiterte am mangelnden Interesse der Künstler. 1938, seinem Todesjahr, gründete Jordi zusammen mit Margarethe Hardegger und deren späteren Ehemann Hans Brunner eine Notgemeinschaft für Tessiner Siedler und Kleinbesitzer und gab eine gleichnamige Zeitung heraus. Jordis Sohn Peter begründete den Ruf der Töpferei von Fontana Martina, er machte daraus einen Künstlertreffpunkt. Es kamen Jakob Flach, Karl Gerber, Manfred Henninger, Heiner Hesse, Wilfrid Moser, Jonny Rieger, Peter P. Riesterer, Erwin Schönmann, Jan Schutter, Richard Seewald und andere mehr.