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Erich Kästner, Schriftsteller, Drehbuchautor und Kabarettist

1899-1974, geboren in Dresden, gestorben in München

Sohn eines Sattlermeisters und einer Friseuse. Jugend in Dresden. Abbruch der Ausbildung zum Volksschullehrer des Ersten Weltkriegs wegen. Er kehrte mit einem schweren Herzleiden zurück, wurde aus dem Heeresdienst entlassen. Nach dem Krieg Studium der Geschichte, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft. Er finanzierte sich seine Studien als Journalist und Theaterkritiker. Richard Katz, der Verlagsdirektor des "Leipziger Tagblatts" stellte ihn 1922 "vom Fleck weg" als "Redakteur" ein. 1925 Promotion zum Dr. phil. 1926 unternahm er zusammen mit seiner Mutter die erste Auslandreise in die Schweiz und nach Italien, er lernt das Tessin kennen. 1933 wurden seine Werke das Opfer der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten. Kästner wurde in der Folge mehrmals von der Geheimen Staatspolizei, Gestapo, verhaftet. 1944 zog er mit seiner langjährigen Lebenspartnerin, Luiselotte Enderle (1908-1991),  zusammen. Sie war das Vorbild für die Mutter des "doppelten Lottchens". Kästner lebte bis zu seinem Tod mit ihr zusammen. 1945 wurde er Leiter des Feuilletons der Berliner „Neuen Zeitung“, eine Millionenzeitung, nach dem Krieg ins Leben gerufen von Hans Habe. Kästners Redaktionsassistent war Alfred Andersch. 1957 gebar Friedl Siebert den Sohn Thomas, Kästner hatte mit ihr ein langjähriges Verhältnis (1944-1969), seine "Briefe aus dem Tessin" erzählen darüber. Kästner war Autor scharfsinniger Jugendbücher. Für das Drehbuch seines ersten Films "Emil und die Detektive" arbeitete er 1930 mit dem späteren Starregisseur Billy Wilder am Drehbuch. Er arbeitete oft mit dem Filmregisseur Kurt Hoffmann zusammen. Mit Horst Lemke, dem Illustrator mancher seiner Bücher, verband ihn eine persönliche Freundschaft. Richard Seewald illustrierte sein Buch "Die dreizehn Monate". Kästner unterhielt Kontakte zu Literaten wie Berthold Brecht und Erich Maria Remarque. Max Krell schrieb über Kästner: "Mit dem Doktor Erich Kästner zu diskutieren, war immer ein Vergnügen. Ein erzgescheiter Mann, der sich klar war über das, was not tat, und begabt war mit dem Sarkasmus, der lachen konnte. Dabei ein Dichter, der die Kinder verstand, was immer ein Zeichen von Echtheit ist ... Man traf ihn in einem Café, in einer Bar, passioniert in einem Kabarett, stets das Blöckchen für die ausspriessenden Verse zur Hand, und ein Buch, das ihn gerade fesselte." Kästner hielt sich immer wieder im Tessin auf, als Gast im Grand Hotel Brissago, wo er anfangs der Dreissiger Jahre unter anderem auf Kurt Tucholsky traf. In "Kästner für Erwachsene" schreibt er darüber: "Abends kam Tucholsky, frisch und munter, zum Essen an unseren Verandatisch herunter. Wir sprachen über den Parteienwirrwarr, über die wachsende Arbeitslosigkeit, über die düstere Zukunft Europas, über die "Weltbühne" natürlich; über neue Bücher, über seine Reisen. Und wenn  wir später am See und im Park spazieren gingen, gerieten wir meistens ins Fachsimpeln. Dann war vom Satzbau die Rede, von Chansonpointen, von der "Überpointe" in der letzten Strophe und ähnlichem Rotwelsch. In einer entlegenen Ecke des Parks stand, in einer kleinen von Oleanderbüschen umgebenen Orchestermuschel, ein altes, verlassenes Klavier. Manchmal setzte er sich an den ziemlich verstimmten Kasten und sang mir Chansons vor, die er für "Schall und Rauch", für Gussy Holl, für Trude Hesterberg und andere geschrieben hatte. Diese Vortragsabende für einen einzigen Zuhörer, am abendlichen See und wahrhaftig unter Palmen, werde ich nie vergessen." Aus gesundheitlichen Gründen, Kästner litt an Tuberkulose, war er 1962-1963 und 1964 Kurgast im Sanatorium in Agra, "zunächst einmal für ein halbes Jahr, wie der Chefarzt tröstlich meinte. Nun der Aufenthalt dauerte, "zunächst einmal" knapp anderthalb Jahre." Aus "Kästner für Erwachsene". Horst Lemke, der Illustrator, beschrieb im Vorwort zu Kästners "Briefe aus dem Tessin" dessen Tessiner Zeit. Er schrieb über ihre Zusammenkünfte im Ristorante San Gottardo in Agra beim Wirt Toni Wiss, im Kursaal an der Seepromenade von Lugano und in Lemkes "Casa Nostra" in Brione. Er erzählt, dass Kästner nie Auto gefahren ist, dass er gegenüber Servierpersonal und Taxifahrern stets ausserordentlich grosszügig war,  von der "kleinen gewölbten Whiskyflasche" und den "starken Camelzigaretten". Luiselotte Enderle beschrieb in ihrem Buch „Erich Kästner“ die Beziehung des Dichters zu Paul Burkhard - dem Gestalter des Schweizer Fünflibers. Während seiner Tessiner Zeit war Kästner auch Gast bei Hermann Hesse und Hans Purrmann in Montaglola. Luiselotte Enderle, Kästners Lebenspartnerin, schilderte in den Biografien über ihn die Verbundenheit mit dem Tessin und seine Ausflüge zu den Eseln und Ziegen in Carona, zu den Kunstwerken in der "Villa Favorita" des Barons von Thyssen, den Markt von Luino, Stippvisiten nach Ascona und immer wieder das "Gottardo" in Agra. Kästner starb an den Folgen von Speiseröhrenkrebs. www.kaestner-im-netz.de.

Erich Kästner als Erzähler in seinem „Das fliegende Klassenzimmer“, 1954 unter der Regie von Kurt Hoffmann produziert, mit freundlicher Zustimmung der Universal Film GmbH & Co. KG, München.
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Beitrag von hr2 Wissenswert: Erich Kästner - Klassischer Autor und politischer Mensch:
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Nachruf auf Erich Kästner in der Sendung "Das Kalenderblatt" von Bayern 2 vom 29. Juli 1974:
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