Leo Kok
Leo Kok, Pianist, Komponist und Buchhändler

1893-1992, geboren in Amsterdam, gestorben in Ascona

Kok studierte bis 1914 Musik und Komposition. Während des Ersten Weltkriegs publizierte er Romanzen zu Texten französischer Poeten. Nach dem Krieg setzte er seine Studien in Paris, Brüssel und London fort. Ab 1921 lebte er abwechslungsweise in Ascona und Paris. Er unternahm viele Konzerttourneen durch ganz Europa. Arbeitete gern mit Ballett- und Tanzgruppen zusammen. 1924 schrieb er die Musik für das „Kamelienfest“ in Locarno, das Stück "Il Canto del Cucù", das als Volkslied in der ganzen Schweiz und in Italien bekannt wurde. In Locarno begleitete er, zusammen mit dem Kurorchester, auch Stummfilme. Kok war der Pianist der „heiligen Tänzerin“ Charlotte Bara. Der Pariser Verleger Guy Lévis Mano nahm Koks Kompositionen in seinen Verlag auf. Während der deutschen Besatzung von Paris bewegte er sich im Untergrund. Er wurde verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert (1944-1945) und gefoltert - seine Finger wurden ihm gebrochen und damit seine Existenz als Pianist. Er schwieg in der Folge konsequent über seine Zeit im Konzentrationslager, auch dann, als ihm nach seiner Rückkehr die in Ascona Verbliebenen klagten, sie hätten in der Kriehgszeit nicht einmal Bananen kaufen können. Mittellos geworden, führte er zuerst in Paris, dann ab 1946 in Ascona ein Antiquariat, die „Libreria della Rondine“, wo er seine so umfangreiche wie kostbare Bibliothek verkaufte. Er wohnte an der Contrada Maggiore. Die "Rondine" in der Casa Serodine wurde bald zu einem beliebten Treffpunkt der literarisch interessierten Menschen in Ascona. Sein Nachbar in der Casa Serodine am Kirchplatz von San Pietro e Paolo, war der Antiquator und Freund Wladimir Rosenbaum. Kok war unter anderem mit Erich Maria Remarque und, sehr eng, mit dem Arche-Verleger Peter Schifferli befreundet. Er arbeitete mehrere Jahre am Marionettentheater von Jakob Flach mit. Er galt als zurückhaltender, vom Leben geprüfter Mann mit grosser Ausstrahlung. Die Wintermonate verbrachte Kok nicht in der ungeheizten  "Serodine" sondern in Paris, in der Villa eines befreundeten hohen Funktionärs des Aussenministeriums. Aus Paris brachte er jedes Jahr wieder neue Trouvaillen in die "Rondine". Aufgrund einer Fehldiagnose seines Pariser Arztes, dieser sprach von einem unheilbaren Krebsleiden, verkaufte Kok um 1975 seine "Libreria della Rondine" - er starb 17 Jahre später im Alter von 99 Jahren. Hanspeter Manz, ein späterer Eigentümer der Libreria, veröffentlichte in 150 Exemplaren eine Gedenkschrift zum Leben von Leo Kok. Eine spätere Inhaberin der "Rondine" war Angelika Sowinski.
Leo Kok vor der "Rondine"