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Jan Kristofori, Maler, Gestalter, Bildhauer

1931-2004, geboren in Mukatchevo, Tschechei, gestorben in Prag.

Studium an der Miskolc Akademie in Ungarn. Kristofori wurde sieben Jahre lang im Konzentrationslager „ Jáchymov“ gefangen gehalten. Anschliessend zwei Jahre Militärdienst. Nach der sowjetischen Besatzung der Tschechoslowakei emigrierte er 1969 nach Norwegen, wo er als Buchillustrator tätig war. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR kehrte er 1990 in seine Heimat zurück und wirkte dort und im Tessin, wo er sich in Prato ein Tessinerhaus kaufte und restaurierte. Er malte unter anderem einige der schönsten Bauten des Tessins.
„Jan Kristofori war sieben Jahre lang in Jáchymov (Konzentrationslager). Während dieser Zeit zeichnete er mit allem, was möglich war, und alles, was er konnte. Er zeichnete und modellierte, um zu überleben. Es ist also kein Wunder, dass er nach dem, was er erlebt hatte, später emigrierte. In den vergangenen Jahren illustrierte er Dutzende von Büchern und inspirierte viele Protestaktionen für die Verteidigung der Freiheit unserer Bürger. Ich bin froh, dass ich mit diesen Worten auch an seine politischen Verdienste erinnern kann.“ Václav Havel, Präsident der Tschechischen Republik, Quelle: www.pegasuskunst.de
„Jan Kristofori ist ein so ausgeprägt begabter bildender Künstler, dass wir ihn zu den fähigsten Zeitgenossen zählen müssen. Sein Werk ist keine gewöhnliche Malerei, in der der Pinselstrich und die Farbe die entscheidende Rolle spielen. Seine Bilder entstehen nach der Art der gotischen Reliefs. Man könnte sie als Skulpturmalerei bezeichnen. Die Farben sind in Kristoforis Gemälden in plastische Flächen gesetzt, die meisterhaft modelliert sind und sich nach der Absicht des Künstlers verändern lassen. Sie sind eine sorgfältig ausgewählte Mischung angenehmer Spontanität und lyrischer Tönung in beiderseitiger Abhängigkeit vom Gedanken, den jedes seiner Bilder ausdrückt. Diese glückliche Mischung aus Spontanität und Solidarität mit der Konzeption, über die Kristofori während seines Schaffens ständig nachdenkt, macht aus der Farbenvielfalt - sanftes oder kräftiges Rot, dunkles Grau, quälendes Violett, tiefes Blau und energisches Ocker - ein ausdrucksstarkes Instrument, das noch durch seine zeichnerische Kunst und Modellierfertigkeit unterstützt wird. Kristoforis Gemälde wecken Erinnerungen an die Gotik, sind jedoch von einem ungezwungenen tschechischen Surrealismus durchdrungen. Sie führen eine tief empfundene Kultur und den Wunsch vor, die Freiheit als höchstes Gut auszudrücken, damit die Menschen wieder an Gerechtigkeit glauben und ihren Glauben entfalten können.“ Prof. Emilio M. Avitabile, Italien, Quelle: www.pegasuskunst.de
Aus dem Begleittext zu Kristoforis „Mozart“-Edition: „Am Anfang meiner Kindheit habe ich die Musik als notwendige Übel empfunden. In unserer Nachbarschaft hatten wir ein kleines Mädchen, das wahrscheinlich schon beim Stillen Musikinstrumente spielen lernte. Nebst ihren regelmässigen Übungen beglückte sie uns jedes Jahr, an ihrem Geburtstag, mit derselbe Komposition, jedoch jedes Mal mit einem anderen Instrument gespielt. Mein Vater liebte Zigeunermusik. Auch daran empfand ich keine Freude. Meine Grossmutter nahm mich ab und zu mit zu Konzerten. Doch dies war für mich nur eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Herr Lehrer, Herr Apotheker und Herr Doktor gingen mit ihren Frauen auch dorthin. Darum musste auch meine Grossmutter dorthin. Einmal sagte sie: "Heute wird Mozart gespielt". Ich reagierte darauf nicht, es liess mich kalt. Mozart fand ich genau so langweilig wie die anderen, die ich schon gehört hatte. Ich war damals 8 Jahre alt. Vierzehn Jahre später, als ich in Jachymov Gefangener war, hörte ich im Radio, dass ein unwichtiger Politiker gestorben sei, und dass sie jetzt klassische Musik spielen werden. Das erste Stück war von B. Smetana, an das nächste kann ich mich nicht erinnern, aber dann kam es - das Requiem von W. A. Mozart. In einer Umgebung, in der der Mensch weder den Tag noch die Stunde kennt verwischte plötzlich diese Musik die Grenzen zwischen Leben und Tod. In diesem Augenblick sollte man neugeboren werden. Diese Musik zog sich über Stacheldrähte, wie wenn sie Partituren von Dutzenden Erschossenen wären, die auf diesen Notenlinien hängen blieben. Sie unterstrichen die Unsterblichkeit des grossen Geistes. Obwohl ich eingesperrt war, wurde mir in diesem Augenblick die Freiheit gegeben. Das war die Erkenntnis, das war der Glaube. Seit diesem Augenblick liebte ich Mozart und habe den Glauben gefunden. P.S. Bitte, nehmen Sie diese kleinen Werke als Dankeschön an einen grossen Künstler an. Jan Kristofori.“
www.kristofori.ch