hemingway
Pjotr Aleksejewitsch Kropotkin, Anarchist

1842-1921, geboren und gestorben in Moskau

Sohn einer Adelsfamilie, sein Vater besass über 1'000 Leibeigene und riesige Ländereien. Militärische Laufbahn. Kropotkin wurde zum persönlichen Kammerpagen von Zar Alexander II. 1862 liess er sich in ein Kosaken-Korps nach Sibirien versetzen. 1867 Bruch mit den Eltern, Austritt aus der Armee, Studium der Mathematik und Geographie in Petersburg. 1871 Sekretär der „Russischen Geographischen Gesellschaft“. 1872 erste Reise in die Schweiz. 1874 Verhaftung nach konspirativer Tätigkeit, Kerkerhaft, schwere Skorbut-Erkrankung nach zwei Jahren. Flucht aus dem Militärspital nach England. Nach der Ermordung von Zar Alexander II. wurde Kropotkin in die Schweiz abgeschoben, wo er sich in Thonon am Genfersee niederliess. Nach den Sprengstoffanschlägen von Lyon 1882 wurde er wie andere Anarchisten verhaftet, zu fünf Jahren Gefängnis. Anschliessend lebte er während 30 Jahren in London, wo er sich für die Sache der kommunistischen Anarchie einsetzte. Er kam 1908 durch den Arzt Raphael Friedberg nach Ascona. Bock und Tennstedt schrieben in "Monte Verità, Berg der Wahrheit": "Am 27. Mai 1908 schute ihn Raphael Friedberg in der Doppelrolle als Arzt und politischer Bewunderer in London auf und legte ihm aus therapeutischen Gründen nahe, nach dem Süden zu gehen. Der Arzt konnte später für sich in Anspruch nehmen, das Leben und die Arbeitskraft des anarchistischen Fürsten durch seine Therapie wesentilch erhalten und verlängert zu haben. Denäruztlichen Ratschlägen folgend, verbrachte Kropotkin 1908, 1909, 1911 und 1913 einige Monate in Cannobio, Ascona und Locarno und siedelte von London nach Brithton um. Von Locarno schrieb er an seinen Arzt und Freund, dass es ihm dort sehr gefalle – nur die Berner Regierung mache Schwierigkeiten und fordere die Tessiner Regierung auf, ihn, Kropotkin, auszuweisen – ein Verlangen, dem diese sich widersetze." Oskar Maria Graf schrieb in seinem „Wir sind Gefangene“ über ein Treffen mit Kropotkin auf dem Monte Verità. Der Pelzhändler und Kunstsammler Bernhard Mayer unterstützte Kropotkin mit Geld. 1914 legte Kropotkin in seinem „Brief an Stefan“ seine Gründe für die Bejahung des absehbaren Kriegs dar und brach damit mit Weggenossen wie zum Beispiel Luigi Bertoni und Errico Malatesta. Rückkehr nach Russland 1917, nach der Oktoberrevolution, Konsternation: „Die Revolution wird ihren eigenen Weg gehen, den des geringsten Widerstands, ohne unseren Bemühungen die mindeste Beachtung zu schenken. Zur Zeit befindet sich die russische Revolution in folgender Situation: Sie begeht Greuel; sie ruiniert das Land; in ihrer wahnwitzigen Raserei vernichtet sie Menschenleben [...] sie zerstört, ohne zu bedenken, was sie zerstört und wohin sie geht. Wir sind gegenwärtig nicht im Stande sie in andere Bahnen zu lenken, bis zu dem Zeitpunkt, da sie ausgespielt haben wird. Sie muss sich totlaufen.“ Im Februar 1921 begleiteten Zehntausende Kropotkins sterbliche Überreste zum Friedhof – die grösste und letzte Manifestation des Anarchismus in Russland, ein Jahr später gab es dort keinen einzigen Anarchisten mehr. www.kropotkin.ch