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Käthe und Max Kruse
Käthe Kruse, Puppenmacherin

1883-1968, geboren in Breslau, Polen, gestorben in Murnau, Deutschland

Uneheliche Tochter eines Stadthauptkassenbuchhalters und einer Näherin. Wuchs als Käthe Simon in ärmlichen Verhältnissen bei der Mutter auf. Ausbildung zur Schauspielerin. Engagement am Lessingtheater in Berlin von 1900-1902. Sie verliebte sich 1900 in den berühmten Berliner Bildhauer und Bühnenbildner Carl Max Kruse, Geburt ihrer ersten Tochter im Jahr 1902. Sie heiratenen nicht, weil die freie Liebe in Künstlerkreisen als hohes Ideal galt. 1904 Umzug nach Ascona, wo Käthe und die Kinder bis 1910 leben sollten. Carl blieb in Berlin, wollte aber seinen Kindern eine Jugend in der Grossstadt ersparen. Kruse wohnte mit den Kindern in einem Lufthaus auf dem Monte Verità. 1905 zog sie in den Vogelfängerturm "Roccolo" um. Der Turm lag seinerzeit "mitten im Weinberg, eine Viertelstunde von der nächsten menschlichen Behausung entfernt". 1919 zog Gebhard Werner von der Schulenburg im "Roccolo" ein, heute erinnert die "via Roccolo" im Villenviertel am Monte Verità an den Turm, der sich, hinter Mauern unsichtbar, in Privatbesitz befindet. In ihrem Buch "das grosse Puppenspiel" erzählt die Kruse manche Geschichte über ihre Zeit am Monte Verità. Über das "Sanatorium Monte Verità", über den "schwarzen schwerblütigen" Karl Gräser und seine Frau Jenny Hofmann, und über den tragischen Tod der Lotte Hattemer. Die Entstehung der weltberühmt gewordenen Kruse-Puppen schildert Käthe Kruse so: „Zum stillen Weihnachtsfest 1905 hatte sich Mumerle, drei Jahre alt, zum ersten Male bewusst etwas gewünscht vom Vater. Sie sah mich den ganzen Tag zärtlich bemüht um das Schwesterchen, das Finerle. - Und sie sah mir zu und sagte: „voglio avere anch’io una bambina, come tu e la madre Maria.“ Denn die Kinder sprachen da unten im Tessin italienisch als ihre Muttersprache; sie verlernten es aber später schnell. Also, Mimerle wünschte sich keine Puppe, sonder „ein Kind, wie Du und die Mutter Maria“. Ich schrieb’s dem Vater nach Berlin.“ Bei www.kaethekrusepuppe.de ist zu lesen: "Die Verwirklichung dieses Wunsches war die erste, noch sehr primitive Käthe Kruse Puppe: eine Kartoffel, ein Handtuch, etwas warmer Sand. Dieses Ding hält nicht lange, also entstehen zwangsläufig neue Puppen. Fünf Jahre später nimmt Käthe Kruse an der Ausstellung "Spielzeug aus eigener Hand" teil. Es waren gerade diese Puppen, die die gesamte Puppenindustrie revolutionieren sollten." Während der zahlreichen Besuche von Ehemann Max in Ascona waren der Literaturnobelpreisträger Gerhard Hauptmann, der russische Anarchist und Revolutionär Peter Kropotkin, Ellen Key und andere bei den Kruses zu Gast. 1910 heirateten die Kruses, sie hatten inzwischen drei Töchter und wohnten nun wieder vereint in Berlin. Grossaufträge erforderten eine Werkstatt und Angestellte. Kruse gebar zwischen 1911 und 1921 vier Söhne. 1925 gewann sie den Prozess um die Urheberschaft ihrer Puppen. 1937 nahm sie mit ihren Werken an der Pariser Weltausstellung teil.