Leins, Menschen und Tiere, 1946
Rosetta Leins, Malerin

1905-1966, geboren in Bellinzona, gestorben in Ascona

Tochter eines Druckereibesitzers. Jugend in Bellinzona. Sie begann als Kind mit dem originalgetreuen Kopieren von Ansichtskarten. 1927-1929 Aufenthalt in Paris. Anschliessend Wohnsitz in den Saleggi von Ascona, wo sie in ihrem Atelierhaus bis zum Tod wirkte. Im „Ferien-Journal“ Nr. 76/6, von August 1963 berichtete Hilde Wenzel über die Malerin.
Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 20/5, vom 11. August 1956, Asconeser-Künstler, Rosetta Leins, von Doris Hasenfratz: „In den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg hatte sich in Ascona eine Gruppe von Künstlern zusammengefunden, deren Ruf weit über die Grenzen des Tessins drang. Nach dem Vorbild der Künstler in Paris, kamen sie täglich zusammen, sei es im Café Centrale, im Verbano oder im damals noch kleinen und bescheidenen „Locanda Svizzera“ an der Piazza. Schürch, Kohler, Epper, Pauli, Müller uns Lüssy gehörten dieser Gruppe an. Zu ihr gesellten sich oft Künstler aus der deutschen Schweiz, die vorübergehend in Ascona weilten und sich hier im regen Austausch mit ihren südlichen Kollegen neue Anregungen holten. Inmitten dieses Männergremiums tauchte regelmässig ein schwarz gelockter Mädchenkopf auf: Rosetta Leins, die Jüngste unter ihnen, von allen umschwärmt. Ihre schwarzen Äuglein wanderten lebhaft von einem zum andern, schlagfertige Argumente wurden von ihr in die Diskussionen der Männer geworfen, überbordend an Temperament gehörte sie zu den unermüdlichsten Tänzerinnen des Café Centrale. Ihre weiten Röcke wippten um sie herum, wenn sie im Tessiner Walzer sich drehte, niemals müde stets zu allerlei Scherzen aufgelegt, aber auch für jedes ernsthafte Gespräch zugänglich.
Rosetta Leins ist Tessinerin. Sie wurde in Bellinzona geboren und ist dort gross geworden. Seit 1929 aber hat sie ihre Zelte in Ascona aufgeschlagen. Schon in jungen Jahren, erstmalig 1933, stellte sie in Zürich aus. Damals waren es Stillleben und Tessiner Landschaften, die noch von dem Zauber der alten Gassen und der Unberührtheit des Saleggi Zeugnis ablegten. Ihrem Temperament entsprechend wagte sie sich frisch und ohne Hemmungen auch figürlichen Kompositionen zu. Anderthalb Jahre verbrachte sie in Paris – von der französischen Malerei aufs stärkste beeindruckt. 1935 beteiligte sich die Malerin an einem Wettbewerb, der für ein Fresko am neuen Postgebäude in Lugano ausgeschrieben war. Ihr Entwurf erhielt einen Preis. Im Jahre 1943 nahm sie wiederum an einem Wettbewerb teil. Diesmal für ein Fresko im Rathaus von Lugano. Sie erhielt den ersten Preis und die Ausführung. Seit jenem ersten Wettbewerb beschäftigte sich die Künstlerin immer mehr mit dem Problem der Freskomalerei. 1945 malte sie die Friedhofskapelle aus und in diesem Jahre erhielt sie abermals den ersten Preis und Auftrag auf Ausführung für ein Fresko im neu erbeuten Regierungsgebäude in Bellinzona. – Seit 20 Jahren sind ihre Bilder auf jeder nationalen Ausstellung vertreten.
Rosetta Leins gehört zu jenen Malerinnen, für die die Arbeit an erster Stelle steh. Immer noch schöpft sie aus den Anregungen und dem Gedankengut der damaligen Zeit, verbunden mit den neuen Problemen, die unsere Epoche dem schaffenden Menschen stellt. Die regelmässigen Zusammenkünfte der Asconeser Künstler finden seit vielen Jahren nicht mehr statt, denn nur wenige aus jener Zeit weilen noch unter den Lebenden. Es ist still geworden um die Asconeser „Künstlerkolonie“, denn Kunst und Tourismus sind nicht miteinander zu verbinden. Selten nur noch kann man Rosetta Leins schwarzen Kopf hinter den Fensterscheiben des Centrale erspähen. Wie so viele andere hat sie sich aus dem motorisierten Ascona zurückgezogen, lebt und schafft in der Stille ihres durch Mauern abgeschlossenen Cortile. Ein Fahrrad mit einem Körbchen hinten dran, vorn ein kleiner Sitz für ihr Töchterchen, - das ist das Kennzeichen von Rosetta Leins; bei Sonne und Wind, bei regen und Schnee, stets kann man sie über die breite Via Muraccio zum Dorf radeln sehn, um ihre Einkäufe zu machen. Ihr Rad ist mit ihr ebenso eng verbunden wie für andere ein Hund. Oft zieht sich Rosetta Leins ins Verzascatal zurück, um hier zu arbeiten und um auch ihrer Leidenschaft zu fröhnen: - dem Fischen."
Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 103/1, vom 15. April 1967, Auszug aus der Asconeser Chronik von Giovanni: „Am 24. Dezember starb in ihrem Heim im Saleggi von Ascona die weit über die Grenzen hinaus bekannten Kunstmalerin Rosetta Leins. Viele Werke von ihr sind im Rheinhardt-Museum in Winterthur zu sehen. Sie schmückte auch Kirchen mit Fresken aus. Ihre bevorzugten Werke waren Tessinerlandschaften, sie zeugen von ihrer grossen Meisterschaft.“