Ruggero Leoncavallo
Erich Lenkeit, Künstler und Karikaturist

1926, geboren in Goldap, Ostpreussen

Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 152/2, vom 5. Mai 1973, Künstler im Tessin, Erich Lenkeit, Gorzoneso: „Unser Mitarbeiter Erich Lenkeit, Künstler und Karikaturist, der nun schon seit fünf Jahren jeweils die Witzzeichnungen hinten im Ferien-Joural zeichnet, wurde im Auftrag der Redaktion des Meyers Modeblatt von Frau Erika Faul-Symmer besucht. Fritzli eine Figur Lenkeits, die regelmässig ihren Platz in Meyers Modeblatt hat, hat nämlich Furore gemacht. Frau Erika Faul-Symmer schreibt über Lenkeit folgendes: Sein Heim könnte nicht versteckter liegen, und wenige im Tessin habe ich angetroffen, die so originell wohnen wie Erich Lenkeit. Ein Traumgebilde von vielen, nicht nur von ennet dem Gotthard. In einem steinplattenüberdachten ehemaligen Pfarrhaus, angebaut an einem über 300 Jahre alten Kirchlein urechtesten Tessinerstils. Davor ein prächtiger Garten mit vielen Blumen und gepflegtem Rasen. Lenkeit wohnt erst seit kurzem im Bleniotal, und man darf ihn immer noch zur Gilde der Asconeser Künstler zählen, lebte er doch über zehn Jahre in Ponte-Brolla an der Maggia, auch dort in einem alten Tessinerhaus mit blumengeschmückter Terrasse und einem verwilderten Garten, bewacht von einem Hund und fünf Katzen. In Ascona hatte er seinen Stammsitz und im Tessin lernte Erich Lenkeit auch seine Frau Lotte, die einstige bekannte Schweizer Kabarettistin Lotte Berlinger, kennen. Als sie in ihr neues Heim im Tal der Brenna übersiedelten, kamen auch die beiden Katzen Orloff und Baffi mit und natürlich das reizende Dackelhündli Lucky. Mit Stolz zeigten mir die Lenkeits des Hauses Inneres, den gemütlichen Wohnraum, dessen Wände Waffen zieren – ein Hobby des Künstlers – das originell eingerichtete Gästezimmer, das überraschend grosse moderne Badezimmer, die schattige Tessinerecke und die geräumige Remise, die als Raum für viele Möglichkeiten noch ausgebaut werden soll. Ein ideales Arbeitsfeld für Frau Lotte, deren Hobby das Nähen und Einrichten ist. Auch die erste Fritzli-Puppe bastelte sie zurecht.
In dieser rustikalen Tessiner Umgebung ist nun unser „Fritzli“ zu Hause. Im Dutzend als Puppe in versandbereiten Schachteln und vielen Varianten gezeichnet auf dem Arbeitstisch seines „Vaters“, der ihn immer schon geistig vor sich sieht – bildlich und textlich – und die Idee sofort nachzeichnet und schreibt, mit Bleistift skizziert und mit Tusche als klare Zeichnung druckreif macht. So lagen denn auch schon etliche „Fritzli“ für das Modeblatt bereit und der Künstler Erich Lenkeit drückte sich nun wirklich bescheiden aus als er bemerkte, dass er gerne „Bildchen male“. Dieser Lausbub Fritzli, der in deutschen Heften „Knirpsli“, in welschen „Toto“ und in den bunten Sylva-Heften „Silvio“ heisst, hat nich nur die Herzen der Kinder erobert, die vielen Briefe von Erwachsenen beweisen, dass diese Figur zum allgemeinen Liebling geworden ist! So kam es auch, dass sein Schöpfer Aufträge für mehrere Zeichen-Trickfilme erhielt, die er selber herstellte. Doch Lenkeit ist in seinen Karikaturen nicht einseitig, neben dem Fritzli-Buben hat er noch unzählige andere Figuren, darunter dominiert die kesse „Puppe“, ein Girl im Mini-Mini mit Top-Firsur und unschuldigen Kulleraugen.
Ein stiller Humor und bescheidenes Wesen kennzeichnen den Künstler Lenkeit und so paradox es klingt, sein witziges Metier nimmt er ernst und der Erfolg blieb nicht aus. Seine Zeichnungen erscheinen in Zeitungen und Illustrationen in aller Welt. Eine ulkige Begebenheit über Lenkeit stand im Ferien-Journal zu lesen. Als der Künstler mit Freunden in einem Asconeser Café war und sich bei Bier und Grappa angeregt unterhielt, schaute er plötzlich auf die Uhr und sagte: „Entschuldigt mich bitte, aber ich muss jetzt nach Hause, denn ich muss noch Babys machen“. Als ein älteres Ehepaar am Nebentisch dies hörte, empörte es sich über diese „ungehörige“ Bemerkung und es war sich wohl einig, dass Ascona eben doch ein berüchtigter Sündenpfuhl sei!
Was es natürlich nicht wusste war, dass Lenkeit ein Buch illustrierte, das von N.O. Scarpi für werdende junge Mütter und junge Eltern geschrieben wurde.
Die nordisch blauen Augen und sein Name verraten, dass Erich Lenkeits Wiege nicht in der Schweiz stand. Er wurde am 23. Dezember 1926 im Städtchen Goldap in Ostpreussen geboren, hart  an der Dreiländerecke Polen, Litauen, Russland. In einer Gegend also in der im Winter die Temperaturen von 30 Grad unter Null normal ist, wo die grossen Bauerngüter liegen und wo man sich in dicke Pelze gehüllt mit dem Pferdeschlitten besucht. Aus einem solchen Bauerngeschlecht stammt Lenkeit und schon in seiner Jugend zeigte sich seine grosse Begabung für die Karikatur, obwohl sein Vater fand, dass er es damit nie weit bringen würde!
Dass er es dennoch zu einem international anerkannten Karikaturisten gebracht hat, beweisen seine vielen Aufträge, so dass er seine Zeichnungen zeitweise unter 3 Pseudonymen veröffentlichen liess.
Doch hat sich Ericht Lenkeit entschlossen, nur noch mit seinem richtigen Namen zu signieren, seine Figuren sind ja auch so prägnant, dass der amüsierte Betrachter sofort weiss: aha, wieder einmal typisch Lenkeit!“