Ruggero Leoncavallo
Herbert Leupin, Grafiker

1916-1999, geboren in Beinwil am See, gestorben in Basel

Kindheit in Augst im Kanton Basel-Landschaft, Besuch der Allgemeinen Kunstgewerbeschule in Basel. Volontariat im Atelier von Herrmann Eidenbenz, ein Jahr in Paris in der Colins Privatakademie. Tätigkeit als freischaffender Grafiker in Augst. Er schrieb "Werbegeschichte": Circus Knie-, Coca Cola- und Pepita-Plakate. Er gehörte zu den gefragtesten, produktivsten und bestbezahlten Schweizer Plakatgrafikern. Neunzig seiner Plakate wuden unter den jeweils "besten Schweizer Plakaten des Jahres" vom eidgenössischen Departement des Innern mit einer Anerkennungsurkunde prämiert. 1945 Heirat mit Elsa Schamberger. 1948 Geburt des Sohnes Thomas, 1953 Geburt des Sohnes Charles. Leupin lebte und arbeitete zeitweise in der Casa "La Sorgente"  in Porto Ronco, die er 1953 erwarb. Er war mit Angelo Conti Rossini befreundet. Eine Bildlegende in Conti Rossinis „Mein Buch“: „Nello Celio ehrte uns nach seiner Ernennung zum Bundespräsidenten dadurch, dass er den Gesamtbundesrat zum offiziellen Essen zu uns brachte. So kehrte er in die Lokalitäten zurück, in denen er einst als junger Kantonsratsanwärter seine Wahlversammlungen abgehalten hatte. Die Menukarte zeichnete für diese Gelegenheit Freund Herbert Leupin, ein oft und gern gesehener Gast in unserem Restaurant.“
Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 164/6, vom August 1974, Künstler im Tessin, Herbert Leupin, Maler und Graphiker, von BBM: „Nur selten fragt sich der Nicht-Fachmann, wessen Zeichenstift hinter einer Werbegraphik steckt, auch wenn diese ihm zusagt. Zu den wenigen Schweizer Graphikern, die auch der breiten Masse bekannt sind, gehört Herbert Leupin. Er ist Basler, lebt aber während eines guten Teils des Jahres in Porto-Ronco im Tessin. Von seinen Plakaten wurden neunzig in der Schweiz prämiert und viele in Deutschland, Frankreich, Amerika und Kanada ausgezeichnet.
Mit zwanzig selbständig
Herbert Leupin sollte eigentlich die Matur machen, überzeugte aber vorzeitig seine Lehrer von seinem grossen Zeichentalent, und sattelte um auf die Kunstgewerbeschule Basel. Nach der Graphikerausbildung arbeitete er ein Jahr lang als Volontär und besuchte dann in Paris die Privatschule eines berühmten französischen Plakatmalers. „Ich kann nicht klagen, dass ich es schwerer hatte als der Nachwuchs heute“, erzählt der Graphiker in Porto-Ronco. „Im Gegenteil. Damals waren noch nicht alle Werbeaufträge in den Händen von Agenturen, man konnte sich noch an Wettbewerben beteiligen, sich Auftraggebern direkt anerbieten und hatte als arbeitsfreudiger, begabter junger Graphiker wirklich alle Chancen“. Herbert Leupin nutzte sie. Mit seiner ersten Wettbewerbsarbeit für die Foire de Paris gewann er gleich den zweiten Preis und kehrte als selbständiger Graphiker in die Schweiz zurück.
Mit Humor
Als blutjunger Graphiker setzte Herbert Leupin die Werbewelt in Erstaunen, als er ein Mustermesseplakat machen durfte und sein Entwurf für ein Eidgenössisches Schützenfest-Plakat unter nahe zu dreitausend Einsendungen vor Hans Ernis Arbeit den ersten Rang belegte. „Dann stellte ich mich mit Musterarbeiten unter dem Arm bei Kleider-, Lebensmittel- und Industriefirmen vor, wurde aufgefordert, „etwas zu versuchen“ und etablierte mich so schliesslich in den Häusern“, berichtet der Graphiker. „Der Erfolg, glaub ich, ist nicht nur dem Zeichenstift zu verdanken. Man braucht für diese Arbeit auch Ideen und Einfühlungsvermögen. Ich habe da mein Motto. Es heisst: Mit Phantasie, manchmal auch mit Humor. Es liegt mir nicht, ein Produkt unter Vorspiegelung von Wunschträumen anzupreisen und ich gehe auch nicht mit dem Holzhammer auf die Menschheit los: „... Sie müssen jenes Produkt kaufen, ohne XY geht es nicht...“. Ich versuche für ein Produkt, für ein Fest, für einen Ausstellung oder einen Zirkus Sympathie zu schaffen“.
Zu schön für die Arbeit
Die ersten Ferien seines Lebens verbrachte der erfolgreiche Graphiker noch vor dem Krieg im Tessin. „Es gefiel mir so gut, dass ich fast alljährlich zurückkehrte und mir schliesslich ein Haus mit einem grossen Umschwung gleich am See in Porto Ronco erstand“, erinnert sich der Wahltessiner. „Inzwischen ist zwar rundherum alles verbaut, der Steilhang aber – übrigens nach meinen Plänen – so reichlich bepflanzt, dass wir vom Haus aus nicht sehen ausser Palmen, See und Himmel“. Da Garagentüren und bepflanzte Steilhänge anonymer wirken als von der Strasse aus sichtbare Häuser, lebt Herbert Leupin in Porto-Ronco ungestört. „Viel weniger als in Basel werde ich hier um Plakate bestürmt“, mein er. „Briefe allerdings von Eltern, die über eine mögliche Graphikerlaufbahn ihrer Sprösslinge Bescheid wissen möchten, muss ich oft beantworten. Sonst jedoch habe ich Ruhe und Zeit, mich der Arbeit zu widmen. Vermag das Tessin aber viele Künstler zu inspizieren, so ist bei mir oft eher das Gegenteil der Fall. Es ist so schön in Porto Ronco, dass mir das Arbeiten trotz aller Berufsfreude manchmal schwer fällt“.“