Edoardo Martinbianco, Maler

Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 96/2, vom 21. Mai 1966, Asconeser-Künstler, Edorado Martinbianco, von Lars Pfenninger: „Eines der eifrigsten Mitglieder der Associazione Artisti Ascona, AAA, ist der unter dem Pseudonym Martino bekannte und aus Graubünden stammende Edoardo Martinbianco. Währen der Woche ist er in einem grossen Betrieb beschäftigt, seine Freizeit jedoch gehört der Malerei, die ihm ein abwechslungsreiches Gegengewicht zu seinem Hauptberuf verschafft.
Martino zählt noch zu den „jüngeren Semestern“. In einer Klosterschule legte er den Grund zu einer soliden Allgemeinbildung und fand dort auf dem Gebiet der Malerei bei einem Schulkameraden, der heute ein weit herum bekannter Freskenmaler ist, entscheidende Anregungen. Die klösterliche Umgebung hat Martinos Malerei damals deutlich beeinflusst, seine ersten Bilder zeigten vornehmlich religiöse Bildinhalte. Wohl unterhält er heute noch Beziehungen zu seinem Jugendfreund und Freskenmaler, aber anstelle der klösterlichen Geborgenheit und Ruhe, sind die Stürme des Existenzkampfes, der Kontakt mit der Welt und schliesslich auch die Familie getreten. Martinos Motive sind „weltlicher“ geworden, die Gestaltung lässt den Einfluss der modernen Richtungen, ja selbst der gegenstandslosen Kunst nicht verkennen. Die Tendenzen zur modernen Richtung liegen bei seinen Bildern in der Wahl und Zusammenstellung der Farben, der Charakter seiner Werke erinnert jedoch stark an die naturalistische Periode.
Martinos Gemälde haben sich in verschiedenen Kreisen grosse Beliebtheit erworben und dies nicht zuletzt ihrer Ehrlichkeit wegen. Sie zeigen das, was sie sagen wollen, in einer deutlichen, allgemein verständlichen Sprache, wirken dekorativ und ansprechend zugleich und fügen sich harmonisch in die verschiedensten Milieus ein. Nicht selten erinnern sie irgendwie an die Landschaften, wie sie der französische Dichter Jean Giono in seinen Büchern besingt. Obwohl Martino vornehmlich in Städten gelebt hat, liegt ihm das Land, die Landschaft im Blut und bestimmt entscheidend die Schrift seines Pinsels.
Martino ist ein eifriger Schaffer. In relativ kurzer Zeit sind eine ganze Menge von Bildern entstanden, von denen nicht weniger bereits den Weg zu Liebhabern gefunden haben, aber glücklicherweise trägt keines dieser Bilder den sonst in solchen Fällen gern vorkommenden Stempel einer gewissen Gleichförmigkeit oder monotoner Widerholung in der Thematik. Martino malt, was ihm gefällt und trifft damit auch den Geschmack weiter Kreise. Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er das male, was die Leute gerne sehen möchten. Er bleibt sich in seinen Bildern treu und schmückt sich auch nicht mit fremden Federn, wo es ihm in Ascona an prominenten Vorbildern wirklich nicht fehlen würde. Eine Auswahl seiner Bilder wir in der Ausstellung der AAA vom 28. Mai bis 30. Juni zu sehen sein, wo er zusammen mit Horst Lemke ausstellen wird. Wir wünschen dem Maler weiterhin glückbringendes Schaffen und seiner Ausstellung den verdienten Erfolg.“