Ruggero Leoncavallo
Plinio Martini, Lehrer und Schriftsteller

1923-1979, geboren in Cavergno, gestorben in Cevio

Plinio Martini war das zweite von acht Kindern und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Zeitlebens unterrichtete er als Lehrer in seinem Heimattal, dem Valle Maggia. Seine ersten Werke waren Gedichte und Jugenderzählungen. Den Weg zum Roman fand er erst später. Eine frühzeitige Erkrankung beendete seine literarische Karriere auf dem Höhepunkt. "Sein Tod hat grausam einen Baum gefällt, der noch nicht alle Früchte hergegeben hat" - so steht es in seinem Nachruf geschrieben. Martini, sein Leben lang im Valle Maggia verwurzelt geblieben, wurde mit dem Roman "Nicht Anfang und nicht Ende" bekannt. Plinio war der Bruder von Giuseppe Martini. Plinio Martini über das Leben in Boschetto, einem kleinen Dorf südlich von Cevio, wo er lebte: "Wenn es gar nichts mehr gab, ernährte man sich von Wurzeln, die man in den Wäldern ausgrub, und mahlte Buchenrinde zusammen mit Roggen und Kastanien. Um diesen Preis kamen unsere Alten mit heiler Haut davon, blieben Herren über ihr Land. Aber ein Stücklein Wiese, eine kleine Ecke Gemüsegarten, Wein und Wegrecht wurden Besitztümer, die man bis zum letzten Blutstropfen verteidigen musste. Man teilte die Ställe in Vierundzwanzigstel, die Weiderechte bis auf eine Viertelkuh, mit einem Mass, das man bezeichnenderweise "Fuss" nannte. Die Emigration war der letzte Ausweg. Ein so karger Boden musste notgedrungen geizige und streitsüchtige Menschen hervorbringen. Wenn die alten Mauern von Boschetto mir von einer strengen, aber echten Kultur sprechen, so weiss ich eben, wie falsch die idyllische Beschreibung jener Welt ist, die einen grossen Teil meines Lebens und meiner Erziehung ausmacht."