Gordon McCouch

 


Gordon Mallet McCouch, Kunstmaler

1885-1959, geboren in Philadelphia, USA, gestorben in Locarno

Amerikanischer Staatsbürger, Sohn einer Juristenfamilie. Er studierte von 1902-1905 in New York Kunst, anschliessend an der Münchner Akademie. Tat im Ersten Weltkrieg in der amerikanischen Armee Dienst an der mexikanischen Grenze. McCouch lebte seit 1916 in Ascona, 1922 liess er sich für 34 Jahre in Porto Ronco nieder. Er unternahm zahlreiche Reisen durch Europa und die USA. 1924 wurde er Mitglied der Asconeser Künstlergruppe "Der Grosse Bär" und, nach deren Auflösung, der „Amici delle Belle Arti di Ascona“. Vom Kubismus und Expessionismus geprägt, entwickelte er einen eigenwilligen Stil. Viele seiner Werke zeigen Melancholie, Schmerz oder Einsamkeit. Aus dem Ausstellungsprospekt der Galleria AAA aus dem Jahr 1999: "Wie mancher Amerikaner, den die Verflachung der menschlichen und kulturellen Werte in seinem Lande enttäuscht hatte, war McCouch nach Europa übersiedelt, in der Hoffnung, die Ursprünge seiner Kultur dort zu finden. Doch auch hier blieben ihm Enttäuschungen nicht erspart, denn die Urtümlichkeit, die er heir vorfand, dorhte ebenfalls zu verblassen. So liegt insbesondere über den Landschaften seiner Ölbilder ein Hauch von Schwermut. Am deutlichsten gelang es ihm in seinen Farbradierungen, die er nach einem selbstentwickelten Simultanverfahren auf der Presse seines Freundes Ernst Kempter herstellte, die Atmosphäre einer Welt zu vermitteln, in der Einsamkeit und Verlorenheit zu spüren sind. Somit ist sein Werk, das in seiner Intensität Probeleme widerspiegelt die uns immer mehr angehen, heute noch von grosser Aktualität."

Hier der Text von Caterina Beretta zur McCouch-Ausstellung im Museo comunale di Ascona aus dem Jahr 1982: "Ich begegnete ihm 1920, als ich siebzehn  Jahre alt  war  und  heute,  so viele  Jahre nach  seinem Tode, verbindet  sich mit meiner Erinnerung an ihn noch immer der  Duft jugendlicher Entdeckungsfreude. Da ich ihn durch eine englische Freundin kennenlernte, unterhielten wir uns englisch. Das rief mir seine  Frau,  die  Signora  Xenia,  ins  Gedächtnis zurück, kurz bevor sie mit über neunzig Jahren starb. Es' sei, so sagte sie, für ihn eine Aufmunterung gewesen, sich in seiner Muttersprache ausdrücken zu können. Er war geborener Amerikaner und blieb es, aber er gehörte jener Elite an, die in allen Ländern selten ist. Aristokratisch – eine Strasse in Philadelphia trägt den Namen seiner Familie – war er dennoch von einer natürlichen Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit. 
Seine Erscheinung war, wenn auch auf ganz andere Weise, ebenso pittoresk wie die der Werefkin. Er war gross, blond, mit treuherzigen blauen Augen. Wer alt genug ist, sich noch seiner zu entsinnen, erinnert ihn bestimmt mit seinem schweren schwarzen Motorrad, in Khaki gekleidet, mit Ledergamaschen, den Beinschienen homerischer Helden nicht unähnlich. Sein Anblick war auf romantische Art kriegerisch und sanft zugleich. Er war Soldat gewesen, aber die Musen hatten Mars bezwungen.
Als ich ihn kennenlernte, bewohnte er noch das alte schöne Haus des Caglioni, unweit des Patrizierhauses der Abbondios, Wohnsitz des Poeten und  des Bildhauers. Der dem Fischfang ergebene Bruder wohnte bescheidener am Seeufer, aber auch er war zweifellos ein Freund des Signor Gordon und der Signora Xenia, wie es alle Bewohner des Ufers waren.
Wenig später baute er nach eigenen Entwürfen eine Villa in Porto Ronco. Hier lebte er bis zu seinem Tode und musste zum Glück nicht mitansehen, wie die Strasse sie in einer Gruft aus Beton verschlang. Das schöne Haus schwebte über dem See und darunter lag ein Segelboot, vielleicht das erste Vergnügungsboot der ganzen Gegend. Um ins Wohnzimmer zu gelangen, musste man steile Treppen hinabsteigen, weil es sich ein oder zwei Stockwerke unterhalb des Eingangs befand, wo es vom Himmel und vom Widerschein des Sees zweifach beleuchtet wurde. Es wurde von drei Katzen beherrscht, eine davon schildkrötenfarbig, und durch viele Blumen heiter belebt; nicht gewöhnliche Blumen vom Blumenhändler, sondern Schöpfungen der Signora Xenia, die sie aus Ablegern heranzog. Während eines Winters wetteiferte eine Flut von Glockenblumen mit dem Blau des Sees.
Signor Gordon liebte die Gesellschaft seiner Freunde und empfing sie mit Herzlichkeit, hielt aber eisern fest an der Disziplin seines Berufes. Er wartete nicht auf die Inspiration, sondern suchte sie in langen Stunden der Arbeit nach festem Zeitplan, dem er sich nie entzog . Zur geübten Stunde jedoch legte er die Arbeit nieder und zog sich zum Abendessen um.
Er hat das Goldene Zeitalter der Künstler unseres Dorfes miterlebt. Er gehörte der kleinen Gemeinde der ersten Maler an, die dazu beitrugen, jenes kulturelle Klima zu schaffen, das heute noch Ascona prägt."