Monte Verità

1889 plante der Locarneser Nationalrat und Theosoph Alfredo Pioda zusammen mit Franz Hartmann und der Gräfin Constance Wachtmeister den Bau des theosophischen Klosters "Fraternitas" auf dem Monte Monescia, dem heutigen Monte Verità: Das Projekt scheiterte. Von 1900 bis 1920 wurde von Henry Oedenkoven, Ida und Jenny Hofmann, Paulette Hattemer, Karl und Gusto Gräser  die "individualistische vegetabilische Cooperative" erbaut und betrieben, die später zu einem kommerziell geführten Kurbetrieb mutierte. Rückwirkend betrachtet wird diese lebensreformerische Künstlerkolonie als Wiege der Alternativbewegung betrachtet, der dritte Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus. 1904 wurde die "Vegetarier-Ansiedlung in Ascona" von Adolf Grohmann erstmals beschrieben. 1904 liess sich mit  Raphael Friedberg, einem deutschen Arzt, der erste Revolutionär in Ascona nieder. Ihm folgte eine ganze anarchistische Kolonie, darunter Fürst Pjotr Kropotkin und der Zürcher Arzt Fritz Brupbacher. Auch Lenin und Trotzki hielten sich hier auf. Der deutsche Anarchist und Schriftsteller Erich Mühsam wünschte sich Ascona als "Republik der Heimatlosen, der Vertriebenen und des Lumpenproletariats"; von ihm stammen mehrere Schriften über Ascona und den Monte Verità. "Die Vereinigung so vieler verschiedener Elemente verursachte eine heillose Unordnung auf unserem Berge. Die meisten tun nicht das Notwendige zur Förderung des Zwecks, sondern ungefähr genau das, was ihnen beliebt. Es waltet eine schlecht verstandene Anarchie", schrieb Ida Hoffmann in ihr Tagebuch. 1913 gründete Rudolf von Laban auf dem Monte Verità seine "Sommerschule für Bewegungskunst". Es kamen unter anderem Charlotte Bara, Isadora Duncan, Suzanne Perrottet, Sophie Taeuber, Mary Wigman und Katja Wulff. Auf dem Monte Verità hielten sich unter anderem auf: Hans Arp, Hugo Ball, Ernst Bloch, Gerhart Hauptmann, Hermann Hesse, Franziska zu Reventlow, Ernst Toller und viele andere. 1923 wurde aus dem Kur- ein Hotelbetrieb (Ackermann, Wilkens, Werner, Vater des Asconeser Malers Fred Werner). 1926 kaufte Baron Eduard von der Heydt den Monte Verità und liess vom Architekten Emil Fahrenkamp ein neues Hotel im Bauhaus-Stil errichten. Seine Ausstellung ostasiatischer Kunst war bis zum Zweiten Weltkrieg eine Attraktion von internationaler Bedeutung. Nach dem Tod von der Heydts ging der Monte Verità in den Besitz des Kantons Tessin über. Im "Museo Casa Anatta" auf dem Monte Verità wird Harald Szeemanns Ausstellung "Die Brüste der Wahrheit" gezeigt, eine Dokumentation "der Abfolge der Invasionen von Utopien aus dem Norden, wie Anarchie Sozialutopie, Seelenreform, Lebensreform, Geistesreform, Körperreform, Psychologie, Mythologie, Tanz, Musik und Literatur in Ascona von 1870 bis heute".