Alfredo Mordasini, Maler, Restaurator und Dekorateur

1914, geboren in Ascona

Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 21/6, vom 25. August1956, Asconeser-Künstler, Alfredo Mordasini, von Doris Hasenfratz: „Nur wenige kennen ihn, denn sehr selten sieht man seinen grauen Kopf mit dem noch jungen Gesicht in den Strassen Asconas auftauchen, obwohl Alfredo Mordasini Asconeser ist. Als junger Mann, das heisst vor 20 Jahren, sah man ihn mit Leinwand und Palette durch die Landschaft ziehen, er war der Malerei mit ganzer Seele ergeben. Als Liebhaberei widmete er sich der Musik und spielte Saxophon , zu einer Zeit als die Dorfkapelle von Ascona regelmässig Platzkonzerte veranstaltete. Vor etwas mehr als zehn Jahren aber trat eine andere Muse in sein Leben: die Liebe zu einer Frau. Er wollte eine Hausstand gründen und sah ein, dass er als Kunstmaler kaum zu diesem Ziel gelangen könnte. So suchte er nach einem Beruf, der doch eng mit der Malerei verbunden war: Er lernte das Restaurieren von Bildern und Skulpturen. Zurückgezogen in seiner Werkstatt, am Rande des Saleggi, dort, wo es noch Bäume und unverfälschte Natur gibt, lebt er umgeben von alten Leinwänden, hölzernen Köpfen, vergoldeten Engeln und mit jenem künstlerischen Fingerspitzengefühl, das einem angeboren ist, wenn man mit Pinsel und Palette umzugehen versteht, behandelt er jedes dieser Stücke mit Liebe und Sorgfalt. Er bemüht sich die Schäden zu beheben, sorgsam darauf bedacht, nicht zu viel zu machen und stets im Sinne dessen vorzugehen, der einstmals das betreffende Stück schuf. Seine Frau nimmt grossen Anteil an seiner Arbeit und hilft ihm beim Reinigen der Bilder, beim Vergolden der Figuren.
Doch an jedem Wochenende geht es fort von Ascona. „Man muss stets neue Eindrücke haben“, sagte Alfredo Mordasini, „wir besuchen gerne Museen und Ausstellungen, soweit sich diese Möglichkeit für uns im weiteren Umkreis von Ascona bietet. Meine Arbeit ist ermüdend, denn sie fordert äusserste Konzentration und Genauigkeit. Das Lesen von Kunstbüchern am Abend ist für mich die beste Erholung nach einem von Arbeit erfüllten Tag.“Von den modernen Malern schätzt Mordasini Picasso sehr. Er ist für ihn der Genius unserer Zeit. „Immer hat er etwas zu sagen und aus allem, was er in seine Hände nimmt, entsteht ein Kunstwerk.“ Schon im Alter von 19 Jahren wurde Mordasini als Mitglied des Vereins Schweizer Maler, Bildhauer und Architekten aufgenommen und stellte zur damaligen Zeit bei allen grossen Übersichtsausstellungen mit aus. „Würde Sie wieder malen, wenn Sie heute die Möglichkeit dazu hätten und nicht an den Erwerb denken müssten?“ – „Ich liebe meine Arbeit“, sagte Mordasini, „selbst wenn ich Millionär wäre, könnte ich nicht ohne Arbeit sein. Aber dann würde ich nichts anderes tun als malen, denn die Malerei ist für mich der unerfüllte Traum, das Ziel meiner Sehnsucht und Wünsche geblieben“. „Aber“, fügt er lächelnd hinzu, „ich bin ja noch „jung“. Ich liebe vor allem die Ruhe, und da ich hundert Jahre alt werden möchte, hoffe ich, dass eines Tages sich mein grösster Lebenswunsch erfüllen möge!“